The most influential, but little-known think tank of the second half of the 20th century
The Sunday Times über die Mont Pelerin Society

Die Mont Pelerin Society

Im Jahr 1947 trafen sich in dem kleinen Ort Mont Pelerin in der Schweiz europäische und amerikanische Intellektuelle, um die Zukunft des Liberalismus zu diskutieren. Die treibende Kraft hinter diesem Treffen war der in Österreich geborene, mittlerweile aber britische Staatsangehörige, F.A. Hayek. Von den Anwesenden sollten später vier Personen mit dem Nobelpreis für Ökonomie ausgezeichnet werden.

50 Jahre später trafen sich die Nachfolger jener 39 Gründer, um die Vorgänge des letzten halben Jahrhunderts zu reflektieren. Von den ursprünglichen 39 war nur Milton Friedman anwesend, obwohl noch zwei weitere am Leben waren. Die Tagesordnung von 1997 entsprach in vielen Punkten der des Gründungsjahres. Welche Ziele verfolgte also die Gesellschaft in den vergangenen 50 Jahren, und welche dieser Ziele wurden erreicht? Laut der vorliegenden Quelle ist besonders die Nachkriegszeit ein kritisches Moment. So wurde die Zerschlagung des nationalsozialistischen Totalitarismusses von den Liberalisten lediglich als Teilerfolg gewertet. Aufgrund der Dominanz der Sovietunion in Osteuropa hatten die Vordenker der liberalen Theorie schnell ein neues Feindbild ausgemacht. Speziell die Tendenz der zentralistischen Planung in den sozialistischen Staaten machte den Ökonomen wie Hayek Sorgen. Um die genauen Umstände, die zur Gründung der Mont Pelerin Society führten, nachvollziehen zu können, muß man sich die historische Situation kurz nach dem 2. Weltkrieg vor Augen führen. Deutschland war in vier Sektoren unterteilt, jeder von einem anderen Alliierten kontrolliert und verwaltet. Rationisierung und direkte Preiskontrolle waren an der Tagesordnung (nicht nur in Deutschland) und nur wenige glaubten, daß Deutschland jemals zu einem Zustand zurückehren könne, der auch nur entfernt seinem Vorkriegsstatus gleichen würde (in einem wirtschaftlichen Zusammenhang). Zu diesem Zeitpunkt erschien die Möglichkeit eines "Wirtschaftswunders" sehr unwahrscheinlich. So sah es aus, als sich die 39 Gründungsmitglieder trafen, um die Mont Pelerin Society ins Leben zu rufen. Die Agenda beeinhaltete folgende Punkte: "Freie Matkwirtschaft oder geregelter Wettbewerb", "Moderne Historiographie und politische Bildung", "Die Zukunft Deutschlands", "Die Probleme und Möglichkeiten einer europäischen Föderation", "Liberalismus und Christentum", "Kontra-zyklische Maßnahmen, Vollbeschäftigung und monetare Reform", " Lohnpolitik und Handelsabkommen", "Besteuerung und Einkommensverteilung", "Landwirtschaftspolitik" und "Die momentare politische Krise". Über diese Punkte hinaus soll es nennenswerte Diskussionen über den Sinn und Zweck einer dauerhaften Organisation, deren Ziele und nicht nicht zuletzt deren Namen gegeben haben. Während die Anwesenden wenig Mühe hatten, sich über die Ziele zu verständigen, soll es gerade bei der Wahl des Namens zu längeren Disputen gekommen sein. Letztendlich einigte man sich auf den Namen "Mont Pelerin Society", obwohl Karl Popper dargestellt haben soll, daß dieser Name "bedeutungslos" sei.

Die Aufmerksamkeit im Jahr 1997 richtet sich derweil auf andere Inhalte als im Jahr 1947. Zentralistische Planung wirtschaftlicher Abläufe durch den Staat werden diskreditiert und die Einmischung seitens des Staates in die Wirtschaft konkret in Frage gestellt. Die Regulierung des individuellen Lebens durch den Staat sei weiter fortgeschritten, als es die Gründer 1947 jemals hätten voraussehen können. Die Vordenker der Gesellschaft, wie Milton Friedman oder der 1992 verstorbene Friedrich Hayek postulieren weiterhin den Neoliberalismus, Friedman beispielsweise gebe sich "schon" damit zufrieden, die Intervention des Staates auf 10% zu senken, es "bräuchte" ja gar keine absolute Nicht-Einmischung. Die Mont Pelerin Society ist heutzutage keine Gruppe mehr, die aus Europäern und Amerikanern besteht, statt dessen zählen Ökonomen vieler Länder zu ihren Mitgliedern, die ursprüngliche Mitgliederzahl von 39 im Jahr 1947 war 50 Jahre später auf über 500 angewachsen, zu diesen Mitgliedern gehören zahlreiche Nobelpreisträger für Ökonomie, wie etwa Milton Friedman, James Buchanan oder George Stigler. Aber auch einflußreiche Politiker zählen zu den Mitgliedern. Antonio Martino, ehemaliger Außenminister Italiens, Yoshio Suzuki, Mitglied des japanischen Parlaments und Ruth Richardson, ehemalige Finanzmisterin des Landes Neuseeland, um nur einige zu nennen. Friedrich Hayek wollte, als er die Gündung der Gesellschaft anregte, eine "Akademie der politischen Philosophie" schaffen, eine "internationale Gemeinschaft der Scholaren", welche "die Ideen des klassischen Liberalismus regeneriert um den Sozialismus zu widerlegen". Darüber hinaus bemüht sich die MPS, den Neoliberalismus als den wahren Garanten für die Freiheit des Menschen darzustellen. Nur durch dieses Wirtschaftsmodell könne der Mensch sich frei von staatlicher Kontrolle nach individuellen Vorstellungen entwickeln. So schreibt die Sunday Times über die Gesellschaft, "Indeed, Hayek and the Mont Pelerin Society are to the 20th century what Marx and the First International were to the 19th century."

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