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Halbwegs gleich

Ärger um Bachelor-Abschluss

Von Karl-Heinz Heinemann

"Viel Lärm um nichts", beruhigten das Sekretariat der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und die Kultusministerkonferenz (KMK) in den vergangenen Tagen: Deutsche Bachelor-Abschlüsse würden in Großbritannien nicht generell als minderwertig zurückgewiesen. Man könne sich sehr wohl um Zulassung zu Masterprogrammen an britischen Hochschulen bewerben, die jeden Fall einzeln entschieden. Warum die Klarstellung? HRK und KMK waren sauer, dass der konservative "Hochschulverband" eine Einschätzung der für die Anerkennung von Studienzertifikaten zuständigen britischen Behörde UK NARIC genüsslich breit getreten hatte: Demnach werde der Bachelor an deutschen Hochschulen nur als "ordinary bachelor degree" eingestuft, sei also zu mager für den Einstieg in britische Master-Programme; ferner werde der deutsche Master dem britischen und binnen sechs Semestern erreichbaren Abschluss "Bachelor Honours" gleichgestellt.

HRK-Präsident Klaus Landfried ärgerte sich maßlos und warnte vor einem "Rufmord am Bologna-Prozess". Der steht für die Schaffung eines europäischen Hochschulraumes, für die Einführung von Bachelor- und Master-Abschlüssen an Stelle des bisher üblichen Diploms oder Magister. Das Problem: NARIC ist nicht irgendwer, die britische Agentur stellt internationale Äquivalenzen fest; ihr Urteil gilt im gesamten Commonwealth. Steht die viel beschworene Internationalisierung deutscher Studienstrukturen durch die gestuften Hochschulabschlüsse also auf tönernen Füßen? Das wäre Wasser auf die Mühlen konservativer Kritiker, die das deutsche Diplom und den Magister für das Maß aller Dinge halten. Nur: Das deutsche Diplom kommt bei NARIC genauso schlecht weg wie der deutsche Master.

Gälte der deutsche Bachelor im Ausland so gut wie nichts, würde das die angestrebte Mobilität in Europa nachhaltig gefährden. Damit wäre ein wichtiger Baustein aus der Argumentation der Hochschulrektoren für die neuen Studienstrukturen herausgebrochen. Doch nicht nur von konservativer Seite mehren sich skeptische Stimmen zum Fortschritt des Bologna-Prozesses. Zu hören waren sie während des Werkstattgesprächs "Von Bologna nach Berlin" der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Im September wird in Berlin die Folgekonferenz der 33 Wissenschaftsminister stattfinden, die über das Zusammenwachsen der Hochschulen in Europa beraten werden. Ein deutscher Länder-Zwischenbericht schildert die Fortschritte in rosigen Farben: So werden mehr als 1500 Studiengänge der neuen Richtung in Deutschland aufgelistet - dass gerade erst 2,7 Prozent der Studierenden dieses Angebot nutzen, wird als Übergangsphänomen abgetan oder der mangelnden Aufgeklärtheit der Studierenden angelastet.

Dass die Studierenden die neuen Studiengänge ablehnten, sei "absolut gerechtfertigt", findet Sonja Stark, eine der beiden Studierendenvertreterinnen im deut-schen Akkreditierungsrat, der für die Zulassung dieser Studiengänge verantwort-lich ist. Die Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt sei ungesichert, führt Stark an. Mehr noch: Die Ankündigung von Hochschulvertretern, den Zugang zum Masterstudium quotieren zu wollen, schrecke Studenten von der Wahl der neuen Studiengänge ab.

Der "Freie Zusammenschluss von Studentinnenschaften" (fzs) hält nun die Diskussion um das "Diploma Supplement" für überfällig. Dieser Zusatz zum herkömmlichen Abschlusszeugnis würde Abschluss und Leistungen detailliert erklären. Dann, so der fzs, entstünde auch Druck, Studiengänge zu reformieren anstatt Studienabschlüsse einfach umzuetikettieren.
 
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Dokument erstellt am 04.02.2003 um 16:56:48 Uhr
Erscheinungsdatum 05.02.2003