"Viel Lärm um nichts", beruhigten das Sekretariat
der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und die Kultusministerkonferenz (KMK)
in den vergangenen Tagen: Deutsche Bachelor-Abschlüsse würden in Großbritannien
nicht generell als minderwertig zurückgewiesen. Man könne sich sehr wohl
um Zulassung zu Masterprogrammen an britischen Hochschulen bewerben, die
jeden Fall einzeln entschieden. Warum die Klarstellung? HRK und KMK waren
sauer, dass der konservative "Hochschulverband" eine Einschätzung der
für die Anerkennung von Studienzertifikaten zuständigen britischen Behörde
UK NARIC genüsslich breit getreten hatte: Demnach werde der Bachelor an
deutschen Hochschulen nur als "ordinary bachelor degree" eingestuft, sei
also zu mager für den Einstieg in britische Master-Programme; ferner werde
der deutsche Master dem britischen und binnen sechs Semestern erreichbaren
Abschluss "Bachelor Honours" gleichgestellt.
HRK-Präsident Klaus Landfried ärgerte sich maßlos und warnte vor einem
"Rufmord am Bologna-Prozess". Der steht für die Schaffung eines europäischen
Hochschulraumes, für die Einführung von Bachelor- und Master-Abschlüssen
an Stelle des bisher üblichen Diploms oder Magister. Das Problem: NARIC
ist nicht irgendwer, die britische Agentur stellt internationale Äquivalenzen
fest; ihr Urteil gilt im gesamten Commonwealth. Steht die viel beschworene
Internationalisierung deutscher Studienstrukturen durch die gestuften
Hochschulabschlüsse also auf tönernen Füßen? Das wäre Wasser auf die Mühlen
konservativer Kritiker, die das deutsche Diplom und den Magister für das
Maß aller Dinge halten. Nur: Das deutsche Diplom kommt bei NARIC genauso
schlecht weg wie der deutsche Master.
Gälte der deutsche Bachelor im Ausland so gut wie nichts, würde das die
angestrebte Mobilität in Europa nachhaltig gefährden. Damit wäre ein wichtiger
Baustein aus der Argumentation der Hochschulrektoren für die neuen Studienstrukturen
herausgebrochen. Doch nicht nur von konservativer Seite mehren sich skeptische
Stimmen zum Fortschritt des Bologna-Prozesses. Zu hören waren sie während
des Werkstattgesprächs "Von Bologna nach Berlin" der Gewerkschaft Erziehung
und Wissenschaft. Im September wird in Berlin die Folgekonferenz der 33
Wissenschaftsminister stattfinden, die über das Zusammenwachsen der Hochschulen
in Europa beraten werden. Ein deutscher Länder-Zwischenbericht schildert
die Fortschritte in rosigen Farben: So werden mehr als 1500 Studiengänge
der neuen Richtung in Deutschland aufgelistet - dass gerade erst 2,7 Prozent
der Studierenden dieses Angebot nutzen, wird als Übergangsphänomen abgetan
oder der mangelnden Aufgeklärtheit der Studierenden angelastet.
Dass die Studierenden die neuen Studiengänge ablehnten, sei "absolut gerechtfertigt",
findet Sonja Stark, eine der beiden Studierendenvertreterinnen im deut-schen
Akkreditierungsrat, der für die Zulassung dieser Studiengänge verantwort-lich
ist. Die Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt sei ungesichert, führt Stark an.
Mehr noch: Die Ankündigung von Hochschulvertretern, den Zugang zum Masterstudium
quotieren zu wollen, schrecke Studenten von der Wahl der neuen Studiengänge
ab.
Der "Freie Zusammenschluss von Studentinnenschaften" (fzs) hält nun die
Diskussion um das "Diploma Supplement" für überfällig. Dieser Zusatz zum
herkömmlichen Abschlusszeugnis würde Abschluss und Leistungen detailliert
erklären. Dann, so der fzs, entstünde auch Druck, Studiengänge zu reformieren
anstatt Studienabschlüsse einfach umzuetikettieren.