Handelskammer Hamburg auf Gemeinwohl-Kurs bringen!
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Unter der Überschrift Hamburgs Schulen auf Leistungskurs bringen. Schüler auf das Berufsleben vorbereiten (Hamburg, Januar 2001) hat die Handelskammer die Privatisierung des Schulwesens in einem bundesweiten Modellversuch vorgeschlagen. Zentrale Forderungen sind die Einführung ökonomischer statt politischer Steuerungsprinzipien für das - im Handelskammer-Papier nicht mehr als solches bezeichnete - öffentliche Schulwesen, ferner die Einführung eines Schulfachs "Wirtschaft" und allgemein eine "Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Schule". Andere Kriterien als "die Anforderungen der Wirtschaft" an die - zweifellos mehr als überfällige - Verbesserung des öffentlichen Bildungswesens werden offenkundig nicht veranschlagt. Was hier als der neueste Hit in der Qualitätsverbesserung der Schulen daherkommt, ist übrigens nichts anderes als der US-Ökonom Milton Friedman seit einem halben Jahrhundert vorschlägt - zuletzt etwa unter dem Titel Public Schools - Make Them Private. Über die Einführung von Bildungsgutscheinen und "school choice" nach Milton Friedmans Modell liegen jedoch längst alles andere als bloß positive Erfahrungen vor. In allen betreffenden Ländern - USA, England, Chile, Neuseeland u.a. - hat die Einführung des sogenannten "Marktmodells" massive Verschlechterungen der Bildungsversorgung für die Mehrheit der Bevölkerung und weitere massive Absenkungen der staatlichen Bildungsausgaben mit sich gebracht. Zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Modell - scheinbar - marktförmiger (d.h. vorgeblich bloß auf Nachfrage und Angebot beruhender) Mechanismen der Bildungssteuerung vgl. diesen Artikel aus der Tagung Privatisierung im Bildungsbereich, die im Juni 2000 an der Uni Hamburg durchgeführt wurde. Die Handelskammer Hamburg war eingeladen, daran teilzunehmen, ließ aber verlauten, sie habe an dem Thema kein Interesse... (vgl. auch die Materialien dieser Tagung).
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Übrigens: Die Handelskammer verstößt mit ihrem Privatisierungsvorstoß gegen geltendes Recht. Denn sie ist eine Standesorganisation mit Zwangsmitgliedschaft. Alle Kaufleute der Freien und Hansestadt müssen ihr angehören. Der Gesetzgeber hat solche Zwangsmitgliedschaften daher mit dem Verbot der Wahrnehmung eines allgemeinpolitischen Mandats verknüpft. D.h. die Handelskammer muß sich mit ihren politischen Äußerungen auf Belange der Kaufleute beschränken - was der Vorschlag einer Privatisierung der öffentlichen Schulen durch Einführung eines Gutscheinsystems definitiv nicht tut. Wenn die Handelskammer diese ihr gesetzlich auferlegte Beschränkung also überschreitet, sollte sie mit einer gerichtlichen Klage rechnen dürfen, die jeder Hamburger Kaufmann, jede Kauffrau anstrengen kann...
Links zum Thema Auswirkungen des Marktmodells im US-Schulwesen Kritik der Bildungsentwicklung in England: Schools under New Labour Kritik der US-Lehrergewerkschaft NEA am Marktmodell für Schulen Hamburger
Studierende gegen Studiengebühren 12/ 1999
corpwatch.org
on privatization of US schools |
Pressestimmen "Die
Handelskammer Hamburg fordert die Privatisierung des Hamburger Schulwesens
in einem bundesweiten Modellversuch. Geplant ist ein wettbewerbsorientiertes
Marktmodell auf der Basis des Gutscheinsystems, d.h. die Schülerinnen
und Schüler erhalten die jetzt verausgabten staatlichen Pro-Kopf-Ausgaben
als Gutscheine, die sie bei den privaten Bildungseinrichtungen einlösen
können (Subjektförderung statt Objektförderung wie bisher).
"Die
Vorschläge der Handelskammer, alle Schulen zu privatisieren, sind
bei Hamburgs Schulleitern durchgehend auf Ablehnung gestoßen.
Als Rückgriff auf die Mottenkiste des 19. Jahrhunderts sieht Meike
Jensen, Vorsitzende der Elternkammer, die Pläne. ´Schule
muss in staatlicher Hand bleiben´, fordert Dorothea
Eichhorn, Schulleiterin der Bruno-Tesch-Gesamtschule (Altona).
Und: ´Privatisierung würde dazu führen, dass sich Schulen
sozial entmischen.´Eltern mit weniger Geld oder weniger Interesse
an Bildung greifen auf die ´schlechteren´ Schulen zurück.
Das angestrebte höhere Bildungsniveau kann so nicht erreicht werden.
Susanne Zychla, Schulleiterin aus Wandsbek,
ergänzt: ´Das Allgemeingut Bildung sollte nicht zu einem
Marktgut werden und für alle zugängig bleiben.´"
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Handelskammer:
Hamburgs Schulen privatisieren |
Alle Schulen
handeln nach dem Kammer-Modell eigenverantwortlich. Lehrer werden nach
Leistung bezahlt. Anders als beim englischen Vorbild realisiert, hält
Schmidt-Trenz eine vollständige Privatisierung für möglich.
´Wir schlagen vor, die rund 12.000 Mark pro Schüler und Jahr,
die Hamburg jetzt aus Steuermitteln ausgibt, den Eltern unmittelbar in
Form von Bildungsgutscheinen zur Verfügung zu stellen.´ Die
Eltern könnten damit an der Schule ihrer Wahl den Unterricht ihrer
Kinder bezahlen. Schmidt-Trenz versteht den Kammer-Vorschlag zur Privatisierung
als Fortentwicklung des
jetzigen Systems. |
"Wettbewerb ja - Markt nein", lautete der Kommentar
von SPD-Bürgerschafts-Fraktionschef Holger Christier zu den
Vorschlägen der Handelskammer. Ein rein privates Schulwesen könne
nicht die Schulversorgung in jedem, vor allem in sozial benachteiligten
Stadtteilen garantieren. (Hamburger Abendblatt, 1.2.2001) |
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US-Lehrergewerkschaft
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US General Accounting
Office: |
Website: Ingrid Lohmann. LetzteÄnderung: 31. Mai 2001