ISP Service eG

Erfahrungen mit einer Genossenschaft

Michael Schenk

 


Umfeld und Aufgaben

Umfeld

Die ISP Service eG (ISPEG) ist Dienstleister in der Internet-Branche. Der Markt ist sehr dynamisch und turbulent; Übernahmen prägen das Bild. Marktteilnehmer sind bereits länger bestehende Unternehmen, die ihr Tätigkeitsspektrum erweitert oder verlagert haben (DTAG, ATT, JTT), und neu entstandene Unternehmen, die mit der Branche groß geworden sind (AOL, UUnet, Xlink). In letzter Zeit treten vermehrt branchenfremde Investoren auf (Callahan, Distefora).

Eine entscheidende Rolle spielen Carrier (Unternehmen, welche die Infrastruktur des Internets bereitstellen), die mit ihrer (z.T. in der Vergangenheit liegenden) Monopolstellung als Telekommunikationsanbieter auf eine bereits existierende Infrastruktur sowie hohe Monopolgewinne zurückgreifen können. Für die nahe Zukunft ist (mit einsetzender Konsolidierung des Marktes) ein stärker werdender Verdrängungswettbewerb absehbar.

Am Markt erfolgreiche Produkte zeichnen sich entweder durch ein großes Maß an Standardisierung und Automatisierung sowie den damit ermöglichten niedrigen Preis oder durch hohe Individualisierung, verbunden mit intensiver persönlicher Beratung, aus.

Aufgaben

ISPEG versteht sich als Dienstleister für kleine und mittlere Internet Service Provider (ISP), deren Fokus auf der Bereitstellung individuell angepaßter Produkte liegt. Die Ziele der ISPEG sind:

Warum gerade Genossenschaft?

Im folgenden stelle ich einige Unternehmensformen kurz gegenüber, um die Entscheidung für die Institutionalisierung als Genossenschaft zu beleuchten.

Die Genossenschaft zeichnet sich dadurch aus, daß sie in der Regel keine Gewinne erzielen möchte. Ihr Eigenkapital erwächst zunächst aus den Anteilen, welche durch die Genossen gezeichnet werden. Im Insolvenzfall sind die Genossen verpflichtet, ggf. einen in der Satzung festgelegten Nachschuß zu leisten; weitere Ansprüche bestehen nicht. Es besteht ein (in der Satzung zu präzisierender) großer Einfluß der Genossen auf die Entwicklung der Genossenschaft; grundsäatzlich ist diese Einflußmöglichkeit von der Zahl der Anteile unabhängig. Der Wechsel der Gesellschafter ist leicht möglich.

Andere Unternehmensformen unterscheiden sich von der Genossenschaft durch ihr Ziel, Kapital zu beschaffen und Gewinne zu erzielen. Der Einfluß der einzelnen Gesellschafter ist von ihren Stamm- bzw. Kapitalanteilen abhängig. Bei der GmbH ist der Gesellschafterwechsel aufwendig.

Der idealistische Verein darf sich nicht wirtschaftlich betätigen, die Mitglieder des wirtschaftlichen Vereins sind zu unbeschränkter und solidarischer Haftung verpflichtet.

Im folgenden einige Beispiele von Branchen, in denen sich Genossenschaften etabliert haben:

Einige Beispiele von Neugründungen in 'modernen' Branchen:

Ähnlich den Industrie- und Handelskammern existiert auch im Genossenschaftsbereich ein regional strukturierter Dachverband, der Geno-Verband. Die Geno-Verbände (und ihre angeschlossenen Tochterunternehmen) bieten eine Reihe von Dienstleistungen: Beratungen im Rahmen der Gründung einer Genossenschaft, Rechts- und Steuerberatung sowie Erstellung des Jahresabschlusses und dessen Prüfung.

Geschichte

Die Idee zur Gründung der ISPEG wurde 1998 aufgegriffen, im Herbst 1999 wurde die Gründungsversammlung durchgeführt und der Geschäftsbetrieb aufgenommen. Mitglieder werden juristische Personen, also ISPs. Die Unternehmer lassen sich grob in zwei Gruppen aufteilen: Auf der einen Seite handelt es sich um (ehemalige) Studenten, die ihr Unternehmen bereits während ihres Studiums als 'Nebenbeschäftigung' gründeten. Auf der anderen Seite stehen EDV-Dienstleister, die neben ihren angestammten Dienstleistungen zusätzlich Internet-Dienstleistungen anbieten.

Gemeinsam werden sie von dem Willen zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit getragen, sehen aber ebenfalls die Notwendigkeit zur Kooperation, um ihre Unabhängigkeit zu wahren.

Der Weg zur Gründung sei hier kurz skizziert: Nach dem Entwurf von Gründungsidee und -konzept ging es darum, die für die Gründung notwendige Mindestzahl von Genossen (sieben) und einen Geschäftsführer zu finden. Die weiteren Schritte wurden vom Geno-Verband mit regelmäßiger Beratung unterstützt: Arbeiten zur wirtschaftlichen Planung und Satzung folgten. Die erstellte Satzung wurde auf der Gründungsversammlung bestätigt; damit konnte der Geschäftsbetrieb aufgenommen werden.

Mit der Eintragung ins Genossenschaftsregister, zu dem das Gründungsgutachten des Geno-Verbandes benötigt wird, ist die Gründung der Genossenschaft vollendet. Die genannten Schritte lassen sich in etwa sechs Monaten gehen.

Praxis der Genossenschaft

Der laufende Geschäftsbetrieb der ISPEG vollzieht sich, ohne daß die Unternehmensform einen sichtbaren Einfluß ausübt. Die Genossen verhalten sich wie Kunden eines 'normalen' Dienstleisters. Die Möglichkeiten der genossenschaftlichen Selbstverwaltung bleiben weitgehend ungenutzt, neue Projekte innerhalb der ISPEG ins Rollen zu bringen, bleibt hauptsächlich dem GF überlassen. Die in Vorstand und Aufsichtsrat gewählten Personen fahren, um ihren Aufgaben gerecht zu werden, ein Minimalprogramm. Die Zahlungsmoral der Genossen ist bescheiden, der Ausgleich der Rechnungen wurde auf Einzug von einem angegebenen Konto umgestellt. Die Einschränkungen sind hauptsächlich der Tatsache geschuldet, daß die Arbeitsbelastung in der Branche exorbitant sind. Der durch die Arbeit der ISPEG erzielte Zeitgewinn wird durch die Anforderungen des laufenden Geschäftsbetriebs der Genossen sofort wieder aufgefressen.

Ausblick

ISPEG hat die wichtigsten Ziele ihres Daseins erreicht: Mittelfristig ist eine wirtschaftliche Konsolidierung zu erwarten; die Unabhängigkeit der Genossen kann (im Rahmen der Möglichkeiten der ISPEG) unterstützt werden. Allerdings ist zu vermerken, daß die angedachte Ausweitung der Aufgaben der ISPEG in absehbarer Zeit wahrscheinlich nicht realisiert werden wird, weil die dazu notwendigen Kapazitäten nicht bereitgestellt werden können.

Literatur und Links


website: IL, 20. Juni 2000