Veranst.: Andre Zimpel, Inst. 5



Thema:

Emotionale und geistige Entwicklung


 

Rm: Sed 022 

 

 

 

Zeit: Do, 12:15 - 13:45 

 

 

 

Beg.: 13.04.

 

 

 

Ende: 13.07. 

Index

Wintersemester 1998/99

Sommersemester 1999

Wintersemester 1999/2000

20. April 2000

27. April 2000

04. Mai 2000

11. Mai 2000

18. Mai 2000

25. Mai 2000

22. Juni 2000

28. Juni 2000

Dualismen zwischen Körper und Geist, Fühlen und Denken und nicht zuletzt theoretischer und praktischer Bildung spitzen sich in der Theorie der geistigen Behinderung zu. Die Geistigbehindertenpädagogik gilt als jüngste Disziplin der Erziehungswissenschaften. Ihre Geschichte hat nachweislich die Auffassungen über Lernen und Entwicklung des Menschen beeinflusst. Akzeptanz von Verschiedenheit und pädagogischer Optimismus sind zwei wesentliche Beiträge dieser Disziplin zur allgemeinen Erziehungswissenschaft. Gegenstand der Lehrveranstaltungen sind historische und gegenwärtige Bedingungen der Herausbildung einer größeren Akzeptanz sowie eines optimistischeren Lern- und Entwicklungsverständnisses. Möglichst praxisnah soll gezeigt werden, wo Toleranz und Optimismus in der pädagogischen Tätigkeit in Sonder- wie integrierten Beschulungsformen auf ideologische Grenzen stoßen. Ziel ist die Entwicklung eines Bewusstseins für den Zusammenhang zwischen Eigenerfahrungen und Fremdbeurteilungen in der geistigen Entwicklung. 

20. April 2000

Autismus

Uta Frith: Autismus. In: Spektrum der Wissenschaft August 1993, Seite 48ff.

Kinder, die an dieser Entwicklungsstörung leiden, sind in ihren Fähigkeiten, zwischenmenschliche Beziehungen aufzunehmen und zu kommunizieren, schwer beeinträchtigt; sie wirken oft wie von der Außenwelt abgekapselt. Der zugrundeliegende biologische Defekt ist zwar unheilbar, doch lässt sich vieles tun, damit sich autistische Menschen leichter im Leben zurechtfinden. 






Beginn der Forschung vor fünfzig Jahren

Historischen Quellen zufolge ist Autismus kein neuartiges Krankheitsbild; erstmals als solches beschrieben hat es aber erst 1943 Leo Kanner von der Psychiatrischen Kinderklinik der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore (Maryland). In seiner bahnbrechenden Abhandlung mit dem Titel „Autistische Störungen des affektiven Kontakts“ stellte er Beobachtungen an elf Kindern vor, die eine erkennbar eigene Gruppe von Patienten bildeten. Alle hatten folgende Eigenheiten gemein: Sie sonderten sich von der Außenwelt ab, machten beharrlich immer dasselbe, wiederholten beispielsweise geradezu stereotyp einfache Laute, Sätze und Bewegungen, sie sträubten sich gegen Veränderungen alles Gewohnten, hatten seltsam eingeengte Interessen, zeigten Vorliebe für sogenannte komplexe ritualisierte Verhaltensweisen und zeichneten sich durch gewisse Fähigkeiten aus, die angesichts der Defizite bemerkenswert erschienen (Kanner sprach von Inselbegabungen). 

Zur gleichen Zeit, wenn auch unabhängig von Kanner, schrieb Hans Asperger an der Universitätskinderklinik Wien seine Habilitationsarbeit über denselben Typus von Kindern. Auch er verwandte den Begriff autistisch bereits in der Überschrift, um auf die wesentlichen Merkmale der Störung zu verweisen. Beide Wissenschaftler hatten ihn der Erwachsenenpsychiatrie entlehnt, wo man damit insbesondere den bei Schizophrenen auftretenden progressiven Kontaktverlust zur Außenwelt charakterisiert. Autistische Kinder schienen jedoch bereits sehr früh unter einer solchen Kontaktarmut zu leiden, weshalb Kanner in seiner zweiten Veröffentlichung das Krankheitsbild als frühkindlichen Autismus bezeichnete. 

Sein erster Fall, ein Junge namens Donald, diente lange als diagnostischer Prototyp des autistischen Kindes. Schon in ganz jungen Jahren war er auffällig anders als Gleichaltrige. Mit zwei Jahren konnte er Melodien fehlerfrei aus dem Gedächtnis nachsummen und nachsingen. Er lernte bald, bis hundert zu zählen sowie das Alphabet und die fünfundzwanzig Fragen und Antworten des presbyterianischen Katechismus aufzusagen. Donald war allerdings geradezu manisch darauf fixiert, Spielzeuge und andere Gegenstände wie Kreisel herumzudrehen. Anstatt so zu spielen wie andere Kleinkinder, nämlich mit Stofftieren oder Autos, ordnete er fast ausschließlich Perlen und andere Dinge säuberlich nach Farben oder warf sie immer wieder auf den Boden, offenbar entzückt über das Geräusch, das sie machten. Was man ihm sagte, nahm er stets wortwörtlich, ohne die zugrundeliegende Absicht des Sprechers zu verstehen (ein autistisches Kind antwortet beispielsweise auf die Frage, ob es das Salz reichen könne, mit ja, statt den Satz als Aufforderung zu verstehen). 

Kanner bekam Donald erstmals mit fünf Jahren vorgestellt. Auffällig war, dass der Junge Menschen in seiner Umgebung keine Aufmerksamkeit schenkte. Wenn jemand in seine einsamen Beschäftigungen eingriff, wurde er niemals der Person gegenüber ärgerlich, schob aber ungeduldig die Hand beiseite, die ihm im Weg war. Einzig zu seiner Mutter hatte er einigermaßen sozialen Kontakt; aber auch das schien hauptsächlich daran zu liegen, dass sie sich ganz besondere Mühe gab, etwas mit ihm gemeinsam zu tun. 

Als Donald etwa acht Jahre alt geworden war, bestand seine Konversation weitgehend aus sich wiederholenden Fragen. Seine Beziehungen zu anderen Menschen blieben auf seine unmittelbaren Wünsche und Bedürfnisse beschränkt, und er stellte den Kontakt ein, sobald man ihm seine Fragen beantwortet oder ihm gegeben hatte, was er wollte. 

Einige der Kinder, die Kanner beschrieb, waren stumm. Doch auch die anderen, die sprachen, kommunizierten nicht wirklich, sondern gebrauchten Sprache in befremdlicher Weise. Der fünfjährige Paul etwa plapperte alles wie ein Papagei nach. So sagte er beispielsweise – analog der Frage der Mutter – „Willst du ein Bonbon“, wenn er „Ich will ein Bonbon“ meinte. Fast jeden Tag wiederholte er den Satz „Wirf den Hund nicht vom Balkon“, eine Äußerung, die seine Mutter auf einen Vorfall mit einem Spielzeughund zurückführte. 

Zwanzig Jahre nach der ersten Untersuchung sah sich Kanner die mittlerweile erwachsenen Mitglieder der Gruppe noch einmal an. Einige schienen sich sozial viel besser angepasst zu haben als andere – obwohl sie nach wie vor außerstande waren, wirkliche Gespräche zu führen und persönliche Beziehungen aufzubauen, und obwohl ihre Pedanterie und eingeengten Interessen fortbestanden. Voraussetzung, aber keine Garantie für das Erlernen gewisser sozialer Verhaltensweisen waren offenbar Spracherwerb vor dem fünften Lebensjahr und relativ hohe intellektuelle Fähigkeiten. Typischerweise begannen die intelligentesten Autisten sich als Heranwachsende unbehaglich zu fühlen; es schien, als ob sie dunkel ahnten, dass sie anders waren. Oft bemühten sie sich gezielt um Anpassung. Oft brachte dies neue Probleme. Aber selbst jene, die sich sozial gut anpassten, vermochten selten Selbstvertrauen zu entwickeln oder freundschaftliche Beziehungen aufzubauen. Generell hilfreich – unabhängig von Spracherwerb und Intellekt – schien nur eines zu sein: ein extrem geregeltes Umfeld. 

Bald nach Bekanntwerden der bahnbrechenden Arbeiten über Autismus als eigenständiges Krankheitsbild bei Kindern fand jede größere Klinik Beispiele unter ihren Patienten. Dabei stellte sich heraus, dass außer den sozialen meist auch andere intellektuelle Fähigkeiten erheblich beeinträchtigt sind – ohne freilich Inselbegabungen auszuschließen. So können viele dieser Kinder beispielsweise ohne weiteres ein vorgegebenes Mosaikmuster mit Spielsteinen nachbilden. Wenn es allerdings um Fragen geht, die sich nur mit Hilfe des gesunden Menschenverstands lösen lassen, dann versagen auch die Fähigsten. 

27. April 2000

Quellennachweis:

Oliver Sacks: Eine Anthropologin auf dem Mars. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1995, S.288ff. 



4. Mai 2000


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die umgekehrt U-förmige Kurve über den Zusammenhang zwischen Wachheit (Erregung) und geistiger Leistungsfähigkeit zu sein. (Yerkes, R. M., Dodson, J. D. (1908). The relation of strength of stimulus to rapidity of habit-formation. Journal of Comparative Neurology and Psychology, 18, S. 459ff.)




 
 
 
 
 

Ernst Ulrich von Weizsäckers Ebenenmodell der Um­wandlung von Erstmaligkeit E in Bestätigung B:




 
 
 
 
 

Die vier Strecken kennzeichnen verschiedene Ebenen der Infor­mationsverarbeitung. Bei den Ebenen 1 bis 4 könnte es sich z.B. um Buchstaben, Wörter, Wortgruppen und Sätze handeln. Der linke Anfangspunkt jeder Strecke kennzeichnet den theore­ti­schen Wert reiner Erstmaligkeit und ihr rechter Endpunkt den theoretischen Wert reiner Bestätigung. Aufsteigend von links Unten bis zur oberen Ebene kennzeichnen die Pfeile zwei Bewe­gungen: Einerseits die Umwandlung von Erstmaligkeit durch Wiederholung innerhalb einer Ebene und andererseits dann den Sprung von einer Ebene in der Nähe des Bestätigungspols zur nächst höheren Ebene in die Nähe des Erstmaligkeitspols. Da­mit soll die Tatsache dargestellt werden, dass Lernen durch Wieder­holung einerseits Neues in Bekanntes umwandelt, ande­rerseits aber auch neue Fragen aufwirft.( Ernst Ulrich von Weizsäcker: Erstmaligkeit und Bestätigung als Komponenten der pragmatischen Information. In: Offene Systeme I. Beiträge zur Zeitstruktur von Information, Entropie und Evolution (Hrsg. Ernst Ulrich von Weizsäcker) Stuttgart: Klett-Cotta 1986, S. 106)

Formel zur Berechnung der Auffälligkeit aus dem Informationswert

DenTerm A(p)=-p•ld(p) entlehnte Helmar Frank aus Shannons Entropieformel, um den Auffälligkeitswert eines einzelnen Zeichens in einem Zeichensystem zu berechnen. Mit p wird die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses bezeichnet. In der grafischen Darstellung verbindet die X-Achse die beiden theoreti­schen Extremwerte pragmatischer Information, reine Bestätigung (p=1) und reine Erst­maligkeit (p=0). Die Y-Achse entspricht dem Auffälligkeits­wert, der sich aus dem Produkt der Wahr­scheinlichkeit p und dem Informationswert ld(p)(=Überraschungswert), "logarithmus dualis" von p(Logarithmus zu Basis zwei), ergibt. Die Funktion spannt sich als links schiefer Bogen über die X-Achse mit einem Maximum bei der Eulerschen Zahl (x=e; e=2,71…).

(Der amerikanische Mathematiker Claude Elwood Shannon (*1916) begründete 1948 eine Theorie, in der Probleme der Speicherung und Übertragung von Informationen behandelt wurden.

Claude Elwood Shannon: und Warren Weaver: The Mathematical Theory of Communications. Urbana Illinois: University of Illinois Press 1949



11. Mai 2000

Patricia M. Rodier: Autismus. Spektrum der Wissenschaft Mai 2000. S. 56 ff.

Schaltstationen im Stammhirn sind nicht normal ausgebildet

Manchmal wirken autistische Kinder wie Engel: als würden irdische Dinge sie nicht berühren. Wenn man sie ruft, reagieren sie oft nicht, wollen nicht getröstet sein, zeigen kaum Gesten noch im Gesichtsausdruck Gefühle. Sie schauen anderen kaum in die Augen; viele sind sogar stumm. Autisten wirken wie in ihre eigene Welt eingekapselt.

Das, was die schwere soziale Behinderung Autismus für diese Kinder und ihre Mitmenschen so tragisch macht, führt eine Amerikanerin auf eine Entwicklungsstörung bei der Ausbildung des Stammhirns zurück. Diese hängt, so legen die Forschungen der Medizinerin nahe, mit einer genetischen Fehlsteuerung in der frühen Schwangerschaft zusammen. Patricia M. Rodier von der Universität Rochester (US-Bundesstaat New York) stellt ihre neuen Erkenntnisse in der Mai-Ausgabe von "Spektrum der Wissenschaft" dar.

Auf diese Zusammenhänge brachte Patricier Rodier eine schwedische Studie über Contergan-Geschädigte. Eine auffallend große Anzahl der Menschen, die wegen des Medikaments um 1960 mit Missbildungen geboren wurden, sind autistisch. Meist haben diese Autisten nicht verkrüppelte Gliedmaßen, sondern Deformationen an den Ohren und Probleme mit Augenbewegungen. Dies lieferte den ersten Hinweis, wie früh in der Entwicklung die Schädigung auftritt, lange bevor das Gehirn oder gar seine Strukturen für höhere Funktionen angelegt werden.

Die Embryologin entdeckte, dass Autisten ein bestimmter schmaler Abschnitt im Hirnstamm fehlt. Dort liegen aber neuronale Schaltgebiete für bestimmte Hirnnerven  die zum Beispiel zur Gesichtsmuskulatur führen. Bei vielen Autisten sind die Augenbewegungen gestört, und viele weisen  kaum merkliche  Missbildungen der Ohren auf. Auch können autistische Kinder typischerweise zwei gleichzeitige Reize nicht verarbeiten.

Eine biologische Ursache beim Autismus vermuten Ärzte schon lange, bisher ohne konkrete Hinweise. Die Behinderung tritt familiär gehäuft auf, wenn auch nur in geringen Maße. So sind nur drei bis zu acht Prozent der Geschwister von Autisten ebenfalls autistisch. Allerdings weisen Verwandte  ohne selbst krank zu sein  vermehrt einzelne Verhaltenszüge auf, die zum komplexen Erscheinungsbild des Autismus gehören. Das alles werten Genetiker als Anzeichen für einen sehr komplexen erblichen Hintergrund sowie ein Zusammenwirken mit Umweltfaktoren.

Das Team der amerikanischen Forscherin fand jetzt erstmals auf dem Chromosom 7 ein mutiertes Gen. Es handelt sich um eine genetische Variante eines wichtigen Steuergens, die bei Autisten häufiger vorkommt als sonst. Dieses Gen ist nur während der ersten Schwangerschaftswochen aktiv, und zwar genau dann, wenn die ersten Nervenzellen entstehen. Die meisten dieser Zellen liegen später im Stammhirn und steuern von dort die Muskulatur von Gesicht und Mund. Wenn dieses Gen völlig fehlt (dies wurde an Tieren bereits nachgewiesen), entstehen Missbildungen unter anderem an den Ohren  und der bestimmte Abschnitt im Stammhirn bildet sich nicht aus.

Für Mediziner sind die neuen Befunde überraschend. Bisher hatten sie nach der Ursache von frühkindlichem Autismus kurz vor oder nach der Geburt gesucht. Sollte die Krankheit tatsächlich auf einem Stammhirndefekt beruhen, ergeben sich neue Aspekte für die Diagnose sowie für neue Therapien, um den behinderten Menschen ein besseres, erfüllteres Leben zu ermöglichen. 

18. Mai 2000

        
 
 
 
 


 
 
 
 


 
 
 
 
 
 
 

Rita Carter: Atlas Gehirn. München: Schneekluth 1999

25. Mai 2000






 
 
 
 

22. Juni 2000

WF:        Wahr-Falsch-Bewertung

Ab:         abgestufte Bewertung

Kr:          korrigierte abgestufte Bewertung 

I. WF: 5

Ab:5 - 2 Punkte, 2 - 1 Punkt
 
 
 

1

2

3

4

5

6

7

8

5

12

4

0

18

0

7

3

II. WF: 5 

Ab: 5 - 2 Punkte, 4 - 1 Punkt
 
 
 

1

2

3

4

5

6

0

2

2

4

39

2

III. WF: 2

Ab: 2 - 2 Punkte, 3 - 1 Punkt
 
 
 

1

2

3

4

5

6

7

8

0

25

13

6

0

0

2

3

IV. WF: 6

Abs: 6 - 2 Punkte, 8 - 1 Punkt:
 
 
 

1

2

3

4

5

6

7

8

0

5

3

3

3

23

3

9

Summe:

Mittelwert:

St?ndardabweichung:Formelzeichen s, ein Streuungsmaß einer Zufallsgröße bzw. einer Messreihe; die Wurzel aus der Varianz. 

z-Werte: IQ-Werte:

 

Punkte:

WF-IQ

Ab-IQ

Kr-IQ

0

68

63

63

1

83

71

74

2

98

78

85

3

113

85

96

4

128

93

107

5

-

101

118

6

-

108

129

7

-

116

-

8

-

123

-

28. Juni 2000















 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Der biologistischen Auffassung nach ist uns Intelligenz ebenso angeboren wie unsere Körpergröße. Beides, Körpergrößen und Intelligenz, sind "normalverteilt". Bei Körpergrößen ist das leicht einzusehen. Nehmen wir zur Illustra­tion zwei Legomännchen, die sich aus vier Teilen zusammensetzen - sagen wir der Einfachheit halber aus Kopf, Oberkörper, Unterkörper und Beinen. Die Teile des einen Legomännchens sind jeweils ein Zentimeter und die des anderen zwei Zentimeter lang. Nach der Größe sortiert ergeben die 16 Kombinationen fünf Gruppen.


 
 

Zu den zwei Varianten der beiden Ausgangsfiguren lassen sich, wenn jeweils ein Bauteil ausgewechselt wird, vier Kombinationen mit fünf Zentimetern und vier mit sieben Zen­timetern Länge zusammenstecken. Insgesamt haben wir jetzt schon zehn Varianten für vier Größen. Wie viel Varianten kommen dazu, wenn jeweils zwei Bauteile ausgewechselt wer­den? Wer wie ich zu bequem zum Ausprobieren ist, kann die Zahl der Kombinationen K bei n variablen Teilen der jewei­ligen Klasse k zu variierender Teile mit der Formel K = n!/[(n-k)!*k!] berechnen. Für k=2 ist K = 4!/[(4-2)!*2!] = (1*2*3*4)/(1*2*1*2) = 6. Insgesamt ergeben sich 16 Kombina­tionen von fünf Größen: einmal vier Zentimeter, viermal fünf Zentime­ter, sechsmal sechs Zenti­meter, viermal sieben Zen­timeter und einmal acht Zentime­ter. Je größer n gewählt wird, je deut­licher nähert sich die Häufigkeitsverteilung einer Glocken­kurve, der sogenannten Gauß'schen Normalver­teilung, die auf jedem Zehnmarkschein abgebildet ist.

Die Gruppe mit den meisten Kombi­nationen enthält die "Durchschnittsmännchen". So sind nach der biologistischen Auffassung Faktoren der Intelligenz, wie zum Beispiel Gene, Neurotransmitter oder Hirnare­ale, ver­teilt. Diese Faktoren sollen die praktische, verbale, emoti­onale oder so­zi­ale Intelligenz beeinflussen. Aller­dings wird um sie viel gestritten.

Für die bio­logis­ti­sche Fraktion müsste der Flynn-Effekt aus einer ver­bes­ser­ten biologischen Konstitution der Menschen resultie­ren.

Für die soziologistische Auffas­sung ist Intelligenz dagegen erwor­ben. Alle Menschen sind von Geburt an gleich. Die Ge­sell­schaft verteilt unter­schiedlich günstige Lebensbedingen und Bildungschancen. Hier erfolgt die Annäherung an die Normal­verteilung eher iterativ als kombinatorisch.


 
 

Nehmen wir der Einfachheit halber fünf Klassen oder Niveau­stufen, die wir mit Sternen kennzeichnen, an. Ein Kind wird für das unterste Niveau, die Klasse mit einem Stern k1, ausgewählt. Die Anzahl für die nächstbessere Klasse kn+1 wird je nach Höchstzahl der Sterne n mit folgen­der Formel errechnet: ki+1=(ki*n/i)-ki. Bei fünf Sternen er­halten wir mit k1=1: k2=4, k3=6, k4=4 und k5=1. Auch so ent­steht mit steigendem n eine Annäherung an die Normalvertei­lung - hier allerdings an eine Normal­verteilung von Privi­legien anstatt von biologischen Eigen­schaften.

Ob es sich bei den Bedingungs­kategorien um Privilegien des Zeit­um­fangs, den sich die Eltern für ihre Kinder nehmen, um Ni­veaustufen des Unterrichts in der Schule bzw. der Frei­zeit­gestaltung oder um Grade des Umfangs von Nachhilfe­stunden handeln soll, sei dahingestellt, weil diese Faktoren ebenfalls strittig sind. 

Den Flynn-Ef­fekt erklärt diese Fraktion aus den verbesserten Lebensbe­dingungen der jüngeren Generation.

Quelle:André Zimpel (1999): Der dumme Streit um Klugheit.

http://userpage.fu-berlin.de/~moinmoin/Forschungsseminar/Arbeitspapiere/Intelligenz/Intelligenz.html