Veranst.: Andre Zimpel, Inst. 5
Emotionale und geistige Entwicklung
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Rm: Sed 022 |
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Zeit: Do, 12:15 - 13:45 |
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Beg.: 13.04. |
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Ende: 13.07. |
Dualismen zwischen Körper und Geist, Fühlen und Denken und
nicht zuletzt theoretischer und praktischer Bildung spitzen sich in der Theorie
der geistigen Behinderung zu. Die Geistigbehindertenpädagogik gilt als jüngste
Disziplin der Erziehungswissenschaften. Ihre Geschichte hat nachweislich die
Auffassungen über Lernen und Entwicklung des Menschen beeinflusst. Akzeptanz
von Verschiedenheit und pädagogischer Optimismus sind zwei wesentliche Beiträge
dieser Disziplin zur allgemeinen Erziehungswissenschaft. Gegenstand der
Lehrveranstaltungen sind historische und gegenwärtige Bedingungen der
Herausbildung einer größeren Akzeptanz sowie eines optimistischeren Lern- und
Entwicklungsverständnisses. Möglichst praxisnah soll gezeigt werden, wo
Toleranz und Optimismus in der pädagogischen Tätigkeit in Sonder- wie
integrierten Beschulungsformen auf ideologische Grenzen stoßen. Ziel ist die
Entwicklung eines Bewusstseins für den Zusammenhang zwischen Eigenerfahrungen
und Fremdbeurteilungen in der geistigen Entwicklung.
Kinder, die an dieser
Entwicklungsstörung leiden, sind in ihren Fähigkeiten, zwischenmenschliche
Beziehungen aufzunehmen und zu kommunizieren, schwer beeinträchtigt; sie wirken
oft wie von der Außenwelt abgekapselt. Der zugrundeliegende biologische Defekt
ist zwar unheilbar, doch lässt sich vieles tun, damit sich autistische Menschen
leichter im Leben zurechtfinden.
Historischen Quellen zufolge
ist Autismus kein neuartiges Krankheitsbild; erstmals als solches beschrieben
hat es aber erst 1943 Leo Kanner von der Psychiatrischen Kinderklinik der
Johns-Hopkins-Universität in Baltimore (Maryland). In seiner bahnbrechenden
Abhandlung mit dem Titel „Autistische Störungen des affektiven Kontakts“
stellte er Beobachtungen an elf Kindern vor, die eine erkennbar eigene Gruppe
von Patienten bildeten. Alle hatten folgende Eigenheiten gemein: Sie sonderten
sich von der Außenwelt ab, machten beharrlich immer dasselbe, wiederholten
beispielsweise geradezu stereotyp einfache Laute, Sätze und Bewegungen, sie
sträubten sich gegen Veränderungen alles Gewohnten, hatten seltsam eingeengte
Interessen, zeigten Vorliebe für sogenannte komplexe ritualisierte
Verhaltensweisen und zeichneten sich durch gewisse Fähigkeiten aus, die
angesichts der Defizite bemerkenswert erschienen (Kanner sprach von
Inselbegabungen).
Zur gleichen Zeit, wenn auch
unabhängig von Kanner, schrieb Hans Asperger an der Universitätskinderklinik
Wien seine Habilitationsarbeit über denselben Typus von Kindern. Auch er
verwandte den Begriff autistisch bereits in der Überschrift, um auf die
wesentlichen Merkmale der Störung zu verweisen. Beide Wissenschaftler hatten
ihn der Erwachsenenpsychiatrie entlehnt, wo man damit insbesondere den bei
Schizophrenen auftretenden progressiven Kontaktverlust zur Außenwelt
charakterisiert. Autistische Kinder schienen jedoch bereits sehr früh unter
einer solchen Kontaktarmut zu leiden, weshalb Kanner in seiner zweiten
Veröffentlichung das Krankheitsbild als frühkindlichen Autismus bezeichnete.
Sein erster Fall, ein Junge
namens Donald, diente lange als diagnostischer Prototyp des autistischen
Kindes. Schon in ganz jungen Jahren war er auffällig anders als Gleichaltrige.
Mit zwei Jahren konnte er Melodien fehlerfrei aus dem Gedächtnis nachsummen und
nachsingen. Er lernte bald, bis hundert zu zählen sowie das Alphabet und die
fünfundzwanzig Fragen und Antworten des presbyterianischen Katechismus
aufzusagen. Donald war allerdings geradezu manisch darauf fixiert, Spielzeuge
und andere Gegenstände wie Kreisel herumzudrehen. Anstatt so zu spielen wie
andere Kleinkinder, nämlich mit Stofftieren oder Autos, ordnete er fast
ausschließlich Perlen und andere Dinge säuberlich nach Farben oder warf sie
immer wieder auf den Boden, offenbar entzückt über das Geräusch, das sie
machten. Was man ihm sagte, nahm er stets wortwörtlich, ohne die
zugrundeliegende Absicht des Sprechers zu verstehen (ein autistisches Kind
antwortet beispielsweise auf die Frage, ob es das Salz reichen könne, mit ja,
statt den Satz als Aufforderung zu verstehen).
Kanner bekam Donald erstmals
mit fünf Jahren vorgestellt. Auffällig war, dass der Junge Menschen in seiner
Umgebung keine Aufmerksamkeit schenkte. Wenn jemand in seine einsamen
Beschäftigungen eingriff, wurde er niemals der Person gegenüber ärgerlich,
schob aber ungeduldig die Hand beiseite, die ihm im Weg war. Einzig zu seiner
Mutter hatte er einigermaßen sozialen Kontakt; aber auch das schien
hauptsächlich daran zu liegen, dass sie sich ganz besondere Mühe gab, etwas mit
ihm gemeinsam zu tun.
Als
Donald etwa acht Jahre alt geworden war, bestand seine Konversation weitgehend
aus sich wiederholenden Fragen. Seine Beziehungen zu anderen Menschen blieben
auf seine unmittelbaren Wünsche und Bedürfnisse beschränkt, und er stellte den
Kontakt ein, sobald man ihm seine Fragen beantwortet oder ihm gegeben hatte,
was er wollte.
Einige
der Kinder, die Kanner beschrieb, waren stumm. Doch auch die anderen, die
sprachen, kommunizierten nicht wirklich, sondern gebrauchten Sprache in
befremdlicher Weise. Der fünfjährige Paul etwa plapperte alles wie ein Papagei
nach. So sagte er beispielsweise – analog der Frage der Mutter – „Willst du ein
Bonbon“, wenn er „Ich will ein Bonbon“ meinte. Fast jeden Tag wiederholte er
den Satz „Wirf den Hund nicht vom Balkon“, eine Äußerung, die seine Mutter auf
einen Vorfall mit einem Spielzeughund zurückführte.
Zwanzig
Jahre nach der ersten Untersuchung sah sich Kanner die mittlerweile erwachsenen
Mitglieder der Gruppe noch einmal an. Einige schienen sich sozial viel besser
angepasst zu haben als andere – obwohl sie nach wie vor außerstande waren,
wirkliche Gespräche zu führen und persönliche Beziehungen aufzubauen, und
obwohl ihre Pedanterie und eingeengten Interessen fortbestanden. Voraussetzung,
aber keine Garantie für das Erlernen gewisser sozialer Verhaltensweisen waren
offenbar Spracherwerb vor dem fünften Lebensjahr und relativ hohe
intellektuelle Fähigkeiten. Typischerweise begannen die intelligentesten
Autisten sich als Heranwachsende unbehaglich zu fühlen; es schien, als ob sie
dunkel ahnten, dass sie anders waren. Oft bemühten sie sich gezielt um
Anpassung. Oft brachte dies neue Probleme. Aber selbst jene, die sich sozial
gut anpassten, vermochten selten Selbstvertrauen zu entwickeln oder
freundschaftliche Beziehungen aufzubauen. Generell hilfreich – unabhängig von
Spracherwerb und Intellekt – schien nur eines zu sein: ein extrem geregeltes
Umfeld.
Bald
nach Bekanntwerden der bahnbrechenden Arbeiten über Autismus als eigenständiges
Krankheitsbild bei Kindern fand jede größere Klinik Beispiele unter ihren
Patienten. Dabei stellte sich heraus, dass außer den sozialen meist auch andere
intellektuelle Fähigkeiten erheblich beeinträchtigt sind – ohne freilich
Inselbegabungen auszuschließen. So können viele dieser Kinder beispielsweise
ohne weiteres ein vorgegebenes Mosaikmuster mit Spielsteinen nachbilden. Wenn
es allerdings um Fragen geht, die sich nur mit Hilfe des gesunden
Menschenverstands lösen lassen, dann versagen auch die Fähigsten.
Oliver Sacks: Eine Anthropologin auf dem Mars. Reinbek bei
Hamburg: Rowohlt 1995, S.288ff.
Die umgekehrt U-förmige Kurve über den Zusammenhang zwischen Wachheit
(Erregung) und geistiger Leistungsfähigkeit zu sein. (Yerkes, R. M., Dodson, J. D. (1908). The
relation of strength of stimulus to rapidity of habit-formation. Journal of
Comparative Neurology and Psychology, 18, S. 459ff.
Claude Elwood
Shannon: und Warren Weaver: The Mathematical Theory of Communications. Urbana
Illinois: University of Illinois Press 1949

Schaltstationen im
Stammhirn sind nicht normal ausgebildet
Das,
was die schwere soziale Behinderung Autismus für diese Kinder und ihre
Mitmenschen so tragisch macht, führt eine Amerikanerin auf eine
Entwicklungsstörung bei der Ausbildung des Stammhirns zurück. Diese hängt, so
legen die Forschungen der Medizinerin nahe, mit einer genetischen Fehlsteuerung
in der frühen Schwangerschaft zusammen. Patricia M. Rodier von der Universität
Rochester (US-Bundesstaat New York) stellt ihre neuen Erkenntnisse in der
Mai-Ausgabe von "Spektrum der Wissenschaft" dar.
Auf
diese Zusammenhänge brachte Patricier Rodier eine schwedische Studie über
Contergan-Geschädigte. Eine auffallend große Anzahl der Menschen, die wegen des
Medikaments um 1960 mit Missbildungen geboren wurden, sind autistisch. Meist
haben diese Autisten nicht verkrüppelte Gliedmaßen, sondern Deformationen an
den Ohren und Probleme mit Augenbewegungen. Dies lieferte den ersten Hinweis,
wie früh in der Entwicklung die Schädigung auftritt, lange bevor das Gehirn
oder gar seine Strukturen für höhere Funktionen angelegt werden.
Die
Embryologin entdeckte, dass Autisten ein bestimmter schmaler Abschnitt im
Hirnstamm fehlt. Dort liegen aber neuronale Schaltgebiete für bestimmte
Hirnnerven – die zum Beispiel zur
Gesichtsmuskulatur führen. Bei vielen Autisten sind die Augenbewegungen
gestört, und viele weisen – kaum merkliche –
Missbildungen der Ohren auf. Auch können autistische Kinder typischerweise zwei
gleichzeitige Reize nicht verarbeiten.
Eine
biologische Ursache beim Autismus vermuten Ärzte schon lange, bisher ohne
konkrete Hinweise. Die Behinderung tritt familiär gehäuft auf, wenn auch nur in
geringen Maße. So sind nur drei bis zu acht Prozent der Geschwister von
Autisten ebenfalls autistisch. Allerdings weisen Verwandte –
ohne selbst krank zu sein – vermehrt einzelne
Verhaltenszüge auf, die zum komplexen Erscheinungsbild des Autismus gehören.
Das alles werten Genetiker als Anzeichen für einen sehr komplexen erblichen
Hintergrund sowie ein Zusammenwirken mit Umweltfaktoren.
Das
Team der amerikanischen Forscherin fand jetzt erstmals auf dem Chromosom 7 ein
mutiertes Gen. Es handelt sich um eine genetische Variante eines wichtigen
Steuergens, die bei Autisten häufiger vorkommt als sonst. Dieses Gen ist nur
während der ersten Schwangerschaftswochen aktiv, und zwar genau dann, wenn die
ersten Nervenzellen entstehen. Die meisten dieser Zellen liegen später im
Stammhirn und steuern von dort die Muskulatur von Gesicht und Mund. Wenn dieses
Gen völlig fehlt (dies wurde an Tieren bereits nachgewiesen), entstehen
Missbildungen unter anderem an den Ohren –
und der bestimmte Abschnitt im Stammhirn bildet sich nicht aus.
Für
Mediziner sind die neuen Befunde überraschend. Bisher hatten sie nach der
Ursache von frühkindlichem Autismus kurz vor oder nach der Geburt gesucht.
Sollte die Krankheit tatsächlich auf einem Stammhirndefekt beruhen, ergeben
sich neue Aspekte für die Diagnose sowie für neue Therapien, um den behinderten
Menschen ein besseres, erfüllteres Leben zu ermöglichen.
Rita
Carter: Atlas Gehirn. München: Schneekluth 1999
Ab: abgestufte Bewertung
Kr: korrigierte
abgestufte Bewertung
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Abs: 6 - 2 Punkte, 8 - 1 Punkt:
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Der biologistischen
Auffassung nach ist uns Intelligenz ebenso angeboren wie unsere Körpergröße.
Beides, Körpergrößen und Intelligenz, sind "normalverteilt". Bei
Körpergrößen ist das leicht einzusehen. Nehmen wir zur Illustration zwei
Legomännchen, die sich aus vier Teilen zusammensetzen - sagen wir der
Einfachheit halber aus Kopf, Oberkörper, Unterkörper und Beinen. Die Teile des
einen Legomännchens sind jeweils ein Zentimeter und die des anderen zwei
Zentimeter lang. Nach der Größe sortiert ergeben die 16 Kombinationen fünf
Gruppen.
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Zu den zwei Varianten der beiden Ausgangsfiguren
lassen sich, wenn jeweils ein Bauteil ausgewechselt wird, vier Kombinationen
mit fünf Zentimetern und vier mit sieben Zentimetern Länge zusammenstecken.
Insgesamt haben wir jetzt schon zehn Varianten für vier Größen. Wie viel
Varianten kommen dazu, wenn jeweils zwei Bauteile ausgewechselt werden? Wer
wie ich zu bequem zum Ausprobieren ist, kann die Zahl der Kombinationen K bei
n variablen Teilen der jeweiligen Klasse k zu variierender Teile mit der
Formel K = n!/[(n-k)!*k!] berechnen. Für k=2 ist K = 4!/[(4-2)!*2!] =
(1*2*3*4)/(1*2*1*2) = 6. Insgesamt ergeben sich 16 Kombinationen von fünf
Größen: einmal vier Zentimeter, viermal fünf Zentimeter, sechsmal sechs
Zentimeter, viermal sieben Zentimeter und einmal acht Zentimeter. Je
größer n gewählt wird, je deutlicher nähert sich die Häufigkeitsverteilung
einer Glockenkurve, der sogenannten Gauß'schen Normalverteilung, die auf
jedem Zehnmarkschein abgebildet ist. |
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Den Flynn-Effekt erklärt diese Fraktion aus den
verbesserten Lebensbedingungen der jüngeren Generation.