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DEGENDERING SCIENCE PROJEKTBESCHREIBUNGEN
"Too few of our women´s studies scholars teach science
or require their students to learn about it. (...)
Too few of our science faculty teach science
where it rightfully belongs - in its social context."
[Fausto-Sterling 1992]

Projektziele

In der Bundesrepublik gibt es vielfältige Projekte mit dem Ziel, das Interesse von Schülerinnen für naturwissenschaftlich-technische Studiengänge zu steigern und Studentinnen dieser Fächer während ihres Studiums und beim Übergang in den Beruf zu unterstützen. Unserer Ansicht nach reicht es jedoch nicht, Mädchen und junge Frauen zu einem entsprechenden Studium zu ermutigen. In Ergänzung zu diesen Projekten verfolgen wir bei "Degendering Science" daher die Strategie, das Wissenschaftsverständnis der Naturwissenschaften zu erweitern und "Geschlecht" auf den Ebenen der Fachinhalte und der Fachkulturen zu thematisieren.

Zu diesem Zweck entwickeln wir im Rahmen des Projektes Curriculummodule zu "Gender Studies und Naturwissenschaften". Diese Lehrveranstaltungen sind zugeschnitten auf Diplomstudierende naturwissenschaftlicher Disziplinen, die im Wahlfach bzw. Nebenfach "Gender Studies" Scheine erwerben, und auf Lehramtsstudierende der Chemie, Physik und weiterer Fächer, die sich im Rahmen ihres erziehungswissenschaftlichen Studiums am Institut für Didaktik der Mathematik, der Naturwissenschaften, der Technik und des Sachunterrichts mit "Gender Studies und Naturwissenschaften" auseinander setzen.

Doch nicht nur naturwissenschaftliche Studiengänge sollen um "Gender Studies" erweitert werden. Im Sinne eines wechselseitigen Verhältnisses, einer "two-way-street"-Strategie [Fausto-Sterling 1992], setzen wir uns dafür ein, dass sich die "Gender Studies" ihrerseits verstärkt der Analyse naturwissenschaftlichen Wissens und technologischer Entwicklungen öffnen und den Dialog mit den Disziplinen der Natur- und Technikwissenschaften führen. Im neugegründeten Teilstudiengang "Gender Studies" an der Universität Hamburg erhält "Gender Studies und Naturwissenschaften" im Grundlagenfach "Technoscience" eine breite interdisziplinäre Plattform. Die Curriculummodule von Degendering Science sind zentraler Bestandteil dieses Schwerpunktes.

Der Projekttitel Degendering Science ist ein ironischer Umgang mit der unter NaturwissenschaftlerInnen weit verbreiteten Auffassung, dass Naturwissenschaft und Geschlecht nichts miteinander zu tun hätten. Zugleich steht Degendering Science für die Zukunftsvision, dass Geschlecht als Strukturkategorie in Physik und Chemie tatsächlich keine Rolle mehr spielen wird, weil die Unterrepräsentanz von Frauen auf den verschiedenen Hierarchieebenen überwunden ist und sowohl Frauen als auch Männer die Forschungs- und Technologieentwicklung gestalten können. Um diesem Ziel ein Stück näher zu kommen, ist es unserer Ansicht nach notwendig, "die Kategorie Geschlecht zu benutzen, um sie zu überwinden" [Lorber 2000].

Literatur

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Ausgangspunkt

Seit Anfang der neunziger Jahre wurden zahlreiche Projekte und Modellversuche durchgeführt, um Mädchen und junge Frauen zu einem naturwissenschaftlich-technischen Studium und zu Karrieren in diesen Berufsfeldern zu ermutigen. Die Auswertung von Statistiken für Studienanfängerinnen, Studienabbrecherinnen und Absolventinnen in den sogenannten harten naturwissenschaftlichen und ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen zeigt jedoch, dass die Überrepräsentanz von Männern in der Physik oder in klassischen Ingenieurbereichen wie Maschinenbau und Elektrotechnik bislang nicht signifikant und nachhaltig ausgeglichen werden konnte.

Eine aktuelle Studie unter Mitgliedern der Deutschen Physikalischen Gesellschaft [Könekamp 2002] stellt fest, dass Männer wie Frauen im Fach Physik Frauenfördermaßnahmen sehr skeptisch gegenüber stehen. Männer wie Frauen sprechen sich gegen eine "Sonderbehandlung" von Frauen aus. Sie tun dies jedoch mit unterschiedlichen Begründungen. Männer lehnen diese Maßnahmen als Bevorzugung von Frauen ab. Frauen fordern statt dessen eine Gleichbehandlung. Sie wünschen sich die gleiche Anerkennung für ihre Leistungen, wie sie ihre männlichen Kollegen erfahren, und wehren sich vor diesem Hintergrund gegen eine Sonderbehandlung als Frau. Im Projekt Degendering Science werden daher keine speziellen Kurse für Frauen angeboten, sondern es werden Lehrveranstaltungen entwickelt, die sich mit der Genderfrage in den Naturwissenschaften beschäftigen, also mit der Frage nach dem Zusammenhang von Männlichkeit, Weiblichkeit und Naturwissenschaften.

Unsere Kollegen und Kolleginnen aus den Naturwissenschaften sind oft der Ansicht, dass Geschlecht und exakte Naturwissenschaften nichts miteinander zu tun haben. Doch schon am ersten Tag im Hörsaal wird einer Physikstudentin vor Augen geführt, dass ihre Kommilitonen zumeist männlich sind, ebenso wie ihre Dozenten und Professoren. Selbst unter den historischen Größen des Faches, auf die in der Vorlesung und im Lehrbuch häufig Bezug genommen wird, finden sich Frauen nur als exotische Ausnahmen. Diese eindeutige Asymmetrie in der Geschlechtszugehörigkeit der AkteurInnen korreliert mit der permanenten Geschlechterkonstruktion bei der Vermittlung naturwissenschaftlich-technischen Wissens, wie Agnes S. Münst in einer ethnographischen Studie für natur- und ingenieurwissenschaftliche Studienfächer nachweist. Sie stellte u.a. Unterschiede bei der Akzeptanz weiblicher und männlicher Lehrpersonen und beim Umgang mit Wissenslücken von Studenten und Studentinnen fest [Münst 2002]. Gleichzeitig jedoch kann Geschlecht in Chemie und Physik auf der Ebene der Fachinhalte bislang nicht thematisiert werden.

Diese Paradoxie in Bezug auf die Kategorie Geschlecht macht für Schülerinnen und Studentinnen einen Teil der Widersprüche aus, die es bedeutet, sich als Mädchen für Physik oder Chemie zu interessieren bzw. Physiker oder Chemiker und zugleich weiblich zu sein. Die Paradoxie kann sogar dazu führen, dass Frauen, die sich zunächst für eines dieser Fächer interessieren, zu einem späteren Zeitpunkt einen Studien- oder Berufswechsel vornehmen. Zu diesem Ergebnis kommt Christiane Erlemann in ihrer qualitativen Studie zum Studienabbruchsverhalten von Ingenieurstudentinnen [Erlemann 2002]. Die Thematisierung von Geschlecht auf der Ebene der Fachinhalte ist ein Schritt, so die Arbeitshypothese des Projektes Degendering Science, um der beschriebenen paradoxen Struktur für Mädchen und Frauen in naturwissenschaftlich-technischen Fächern entgegen zu wirken.

In den USA wurde dieser Weg bereits erfolgreich beschritten. Die "American Association of Colleges and Universities" (AACU) führte zwischen 1996 und 2000 in Kooperation mit zehn amerikanischen Colleges und Universitäten und mit finanzieller Förderung durch die National Science Foundation das Programm "Women and Scientific Literacy. Building Two Way Streets" durch. Ziel des Programms war es, die Attraktivität von naturwissenschaftlichen Studiengängen für Frauen durch eine verbesserte Kooperation zwischen naturwissenschaftlichen Fachbereichen und Gender-Studies-Fachbereichen zu erhöhen. Inzwischen wurde die Evaluation dieses international innovativen Projektes veröffentlicht [Musil 2001]. Sie liefert wichtige Impulse für die Entwicklung der Curriculummodule im Projekt Degendering Science.

Literatur

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Arbeitsprogramm

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Laufzeit

Januar 2002 bis Januar 2006

Förderung

Das Projekt Degendering Science - Erweiterung des Wissenschaftsverständnisses und Curriculums der Naturwissenschaften wird gefördert mit Mitteln aus dem Hochschul-Wissenschaftsprogramm Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre der Bund-Länderkommission für Bildungsplanung und Bildungsforschung und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

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