Das OK-Modell

Tätigkeitsorientierte Musikpädagogik

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Das OK-Modell ist eine auf tätigkeitstheoretischen Grundlagen basierende Beschreibung der Aufgaben des Schulfachs Musik. Es bietet Lösungen für Probleme, mit denen Musiklehrer (und Musiklehrerinnen) täglich zu tun haben. Drei Beispiele:

  • Manche Schüler (und Schülerinnen) können auch in der zehnten Klasse noch nicht Noten lesen. Das OK-Modell nimmt sowohl Schülern als auch Lehrern das schlechte Gewissen.
  • Manche Schulverwaltungen rechnen dem Musiklehrer Chor, Orchester oder Band nur teilweise auf die Arbeitszeit an. Das OK-Modell liefert ein schlagkräftiges Argument für außerunterrichtliche Wahlangebote.
  • Manche Lehrpläne benennen lediglich die zu erwerbenden Kompetenzen und überlassen die Auswahl von Unterrichtsgegenständen dem Musiklehrer. Das OK-Modell bietet Kriterien für Inhaltsentscheidungen an.

Das OK-Modell ist vereinbar mit Handlungs-, Erfahrungs- und Schülerorientierung, die sich vorrangig mit dem "Wie" des Unterrichts befassen, und ergänzt sie durch Antworten auf die Frage nach dem "Was". Es bietet eine Alternative zu einseitiger Kunstwerkorientierung, missverstandenem AMU und eng ausgelegter Kompetenzorientierung.

→ Was ist Tätigkeitstheorie? → Was ist Handlungsorientierung? → Was ist Erfahrungsorientierung?
→ Was ist Schülerorientierung? → Was ist Kunstwerkorientierung? → Was ist AMU?
→ Was ist Kompetenzorientierung?
Daumen

Prämissen

Prämissen

Das OK-Modell geht von drei Prämissen aus:

  • Kein Leben ohne Musik - Musik bereichert das Leben.
    Musikalische Tätigkeiten tragen zu dem bei, was die Philosophen ein "gutes Leben" nennen.
  • Keine Musik ohne Lernen - Musik setzt Können voraus.
    Wer musikalisch tätig sein will, muss sich die dafür nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten aneignen.
  • Kein Lernen ohne Wahl - Musiklernen setzt Wahlentscheidungen voraus.
    Es gibt soviele unterschiedliche musikbezogene Tätigkeiten, dass niemand sie alle ausüben kann.
→ Was ist gutes Leben? → Wieso braucht man Können? → Warum muss man wählen?
Daumen

Tätigkeiten

tätigkeiten

Mit Tätigkeiten sind - der Tätigkeitstheorie von A. N. Leontjew folgend - relativ umfassende und komplexe Prozesse gemeint. Handlungen dagegen sind überschaubar. Tätigkeiten setzen sich aus einzelnen Handlungen zusammen. Jede Handlung wiederum setzt sich aus einzelnen Operationen zusammen, aus weitgehend automatisierten Routinevorgängen.

Ein Beispiel:

Herr X ist Hobby-Jazzmusiker (Tätigkeit).
Deswegen übt er ab und zu Saxophon (Handlung).
Dabei liest er Noten (Operation).

Um Tätigkeiten zu verstehen, fragt man am besten nach dem Warum - nach den Motiven.
Bei Handlungen fragt man besser nach dem Wozu - nach den Zielen.
Bei Operationen fragt man nach den Rahmenbedingungen, die zu ihrer Auswahl geführt haben.

Eines der Motive, die Herrn X zu seiner Tätigkeit antreiben, ist seine Freude am Musizieren.
Mit dem Saxophonüben verfolgt er das Ziel, seine Big-Band-Stücke fehlerlos spielen zu können.
Noten liest er, weil es sich um notierte Arrangements handelt..

Mehr zum Tätigkeitsbegriff: Jünger 2014 .

→ Wer war Leontjew? → Was sind Tätigkeiten? → Was sind Handlungen? → Was sind Operationen?
→ Wie kann man Tätigkeiten, Handlungen und Operation unterscheiden?

Daumen

Aufgaben

Aus den Prämissen ergibt sich, dass ein Mensch, der sich musikalisch bilden will, vier Aufgaben bewältigen muss:

1. Er muss die musikalischen Tätigkeiten kennen lernen, die ihm zur Wahl stehen.

2. Er muss ein oder mehrere musikalische Tätigkeiten auswählen.

aufgaben

3. Er muss die erforderlichen musikalischen Kompetenzen erwerben.

4. Er muss die erworbenen musikalischen Kompetenzen anwenden.

Daraus wiederum ergeben die Aufgaben der Schule:

1. Sie muss mit der Vielfalt musikalischer Tätigkeiten bekannt machen.

2. Sie muss bei der Auswahl musikalischer Tätigkeiten helfen.

3. Sie muss den Erwerb musikalischer Kompetenzen unterstützen.

4. Sie muss die Anwendung musikalischer Kompetenzen ermöglichen.

Orientierung, Beratung, Kompetenz und Anwendung heißen die vier Aufgaben des Schulfachs Musik (OK-Modell - O für Orientierung und K für Kompetenz).

→ Was ist Musikalische Bildung? → Was bedeutet "sich Tätigkeiten aneignen"?
→ Was bedeutet "Tätigkeiten kennenlernen"? → Was bedeutet "Tätigkeiten auswählen"?
→ Was bedeutet "Kompetenzen erwerben"? → Was bedeutet "Kompetenzen anwenden"?

Daumen

Ziele

ziele

Orientierung kann zwei Funktionen haben:

1. Entscheidungshilfe bei der Auswahl musikalischer Tätigkeiten und

2. Erfahrungshintergrund für die Ausübung musikalischer Tätigkeiten.

Auch beim Kompetenzerwerb sind zwei Funktionen zu unterscheiden:

1. exemplarische und vorläufige Aneigung musikalischer Fähigkeiten zum Ausprobieren unbekannter Tätigkeiten (Kompetenzerwerb "zur Probe") und

2. systematische und nachhaltige Aneignung musikalischer Fähigkeiten zum Ausüben selbst gewählter Tätigkeiten (Kompetenzerwerb "im Ernst").

Dementsprechend haben die musikalischen Bildungsangebote der Schule folgende (langfristigen) Ziele:

1. Die Schüler sollen eine repräsentative Auswahl der ihnen zugänglichen musikalischen Tätigkeiten kennenlernen.

2. Die Schüler sollen eine begründete Wahl treffen.

3. Die Schüler sollen die erforderlichen Fähigkeiten erwerben.

4. Die Schüler sollen die gewählten Tätigkeiten ausüben.

5. Die Schüler sollen ein Interesse für unbekannte musikalische Tätigkeiten entwickeln.

6. Die Schüler sollen Alternativen zu den ihnen bekannten Tätigkeiten kennenlernen.


Daumen

Organisation

organisation

Die unterschiedlichen Aufgaben musikalischer Bildung machen unterschiedliche Organisationsformen nötig:

  • Schulischer Musikunterricht im engeren Sinn, d. h. Pflichtunterricht, an dem die Schüler teilnehmen müssen, kann vor allem Orientierung und Beratung leisten.
  • Für systematischen Kompetenzerwerb und Ausübung musikalischer Tätigkeiten bedarf es eines vielfältigen Wahlangebotes (Gitarrenkurs, Schulchor, Big Band, Tanz-AG).

Wenn die allgemein bildende Schule allen Kindern und Jugendlichen Zugang zu musikalischer Bildung ermöglichen soll, muss sie alle vier Aufgaben wahrnehmen. Bei der Ausgestaltung des Wahlbereichs wird sie jedoch mit anderen Bildungsträgern (Musikschulen, Kirchen usw.) kooperieren müssen).

Mehr zur Schulorganisation: Jünger 2006 , Jünger 2007 , Jünger 2011 .

→ Was ist der Unterschied zwischen Pflicht und Wahl?
→ Soll der Pflichtunterricht keine Kompetenzen vermitteln?
→ Wer ist für das Wahlangebot zuständig?

Daumen

Inhalte

Im Musikunterricht setzen sich Schüler mit musikbezogenen Tätigkeiten, Handlungen und Operationen auseinander. Welche das sind, muss von der Unterrichtssituation abhängig gemacht werden:

Wie obligatorisch ist die Teilnahme am Unterricht (Pflicht-, Wahlpflicht-, Wahlunterricht)?

Welche Wahlmöglichkeiten haben die Schüler (äußere und innere Differenzierung)?

Welche der vier Aufgaben Orientierung, Beratung, Kompetenz oder Anwendung soll im Vordergrund stehen?

In der Regel liegt eine der folgenden vier typischen Unterrichtssituationen vor:

1. Orientierung als Erfahrungshintergrund (OEr): Die Schüler sollen musikalische Tätigkeiten und ihre Komponenten kennen lernen, um ihren musikalischen Horizont zu erweitern. In dieser Situation gelten folgende Kriterien:

Exemplarität: Der Unterrichtsinhalt sollte stellvertretend für einen größeren unbekannten Gegenstandsbereich stehen, so dass die Schüler nach und nach das ganze Spektrum der musikalischen Tätigkeiten dieser Welt exemplarisch kennen lernen. Zum Beispiel sollte man die Schüler nach der Gitarre eher mit Blas- oder Schlaginstrumenten bekannt machen als mit weiteren Zupfinstrumenten.

Relevanz: Der Unterrichtsinhalt sollte für die Schüler bedeutsam sein. Zum Beispiel sollte sollten die Schüler als Beispiel für Zupfinstrumente eher die Gitarre als die Laute kennen lernen.

2. Orientierung als Entscheidungshilfe (OEn): Die Schüler sollen musikalische Tätigkeiten und ihre Komponenten kennen lernen, um eine Wahl treffen zu können. In dieser Situation gelten folgende Kriterien:

Zugänglichkeit: Die ausgewählten musikbezogenen Tätigkeiten sollten für die Schüler zugänglich sein - sowohl materiell (Kosten, Vor-Ort-Angebote usw.) als auch hinsichtlich der vorhandenen Fähigkeiten und Motivationen. Zum Beispiel sollte man eher Gitarren- als Harfenunterricht anbieten.

Ganzheitlichkeit: Der Fokus sollte auf die Tätigkeiten als Ganzes gerichtet sein, die Tätigkeiten sollten sozusagen aus der Weitwinkelperspektive betrachtet werden. Zum Beispiel sollte man eher mit den Verwendungsmöglichkeiten einer Gitarre bekannt machen als die Stimmung der Gitarrensaiten zu erklären.

3. Kompetenzerwerb im Wahlkurs (KW): Die Schüler sollen Fähigkeiten erwerben, die für Tätigkeiten erforderlich sind, die sie selbst ausgewählt haben. In dieser Situation gelten folgende Kriterie:

Zugänglichkeit (wie bei Orientierung als Entscheidungshilfe - s.o.)

Polyvalenz: Die zu vermittelnden Fähigkeiten sollten polyvalent sein, d. h. zu mehreren Handlungen oder Tätigkeiten beitragen. Zum Beispiel sollte man auf der Gitarre eher Akkord- als Melodiespiel unterrichten.

4. Kompetenzerwerb im Pflichtunterricht (KP): Die Schüler sollen Fähigkeiten erwerben, die für Tätigkeiten erforderlich sind, die sie später möglicherweise ausüben werden. In dieser Situation gelten folgende Kriterien:

Zugänglichkeit (wie bei Orientierung als Entscheidungshilfe - s.o.)

Unaufschiebbarkeit: Bei den zu vermittelnden Fähigkeiten sollte es sich um Kompetenzen handeln, die nur bis zu einem bestimmten Lebensalter erworben werden können ("Zeitfenster-Kompetenzen"). Zum Beispiel sollte man in der Grundschule viel Zeit mit Singen, Tanzen und Rhythmustraining verbringen und dafür auf einen Notenleselehrgang verzichte.

inhalte

Mehr zur Inhaltsauswahl: Jünger 2006 ,
speziell zu Interkulturellem Musikunterricht: Jünger 2003 , Jünger 2012 .

→ Was bedeutet "Exemplarität"? → Was bedeutet "Relevanz"? → Was bedeutet "Zugänglichkeit"?
→ Was bedeutet "Ganzheitlichkeit"? → Was bedeutet "Polyvalenz"?
→ Was bedeutet "Unaufschiebbarkeit"?
Daumen

Methoden

Grundsätzlich gilt, dass der Musiklehrer den Schülern Gelegenheit zum Handeln geben, sie zur Reflexion ihrer Erfahrungen ermutigen und ihnen dabei möglichst viel Freiraum für eigene Entscheidungen einräumen soll. Insofern sind alle Methoden geeignet, die man als handlungs-, erfahrungs- und schülerorientiert bezeichnen kann

Je nach Unterrichtssituation sind bestimmte methodische Strategien besonders wichtig:

1. Orientierung als Erfahrungshintergrund (OEr): Wenn Schüler mit der Vielfalt musikalischer Tätigkeiten bekannt gemacht werden sollen, stellen sich manchmal Motivationsprobleme. Nicht immer kann man die Bereitschaft, eine Tätigkeit auszuprobieren, voraussetzen, und manche Arten von Musik ("unpopuläre" Musik) rufen bei den Schülern Ablehnung hervor. Hier bedarf es besonderer Bemühungen, die Schüler zur Auseinandersetzung mit solcher Musik zu motivieren. Bewährt haben sich dafür zwei Strategien:

Gewöhnen: Man sorgt dafür, dass die Schüler immer wieder mit der "unpopulären" Musik in Berührung kommen, bis mit zunehmender Vertrautheit auch die Bereitschaft wächst, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Ein Beispiel für diese Strategie ist die "Hörminute": Jeweils zu Beginn einer Unterrichtsstunde bekommt die Lerngruppe einen kurzen Musikausschnitt vorgespielt (möglichst unterschiedlich in Besetzung, Genre und kultureller Zugehörigkeit). Einzige Aufgabe: Zuhören ohne zu reden. Dieses Ritual kann eine allmähliche Gewöhnung an kulturelle Vielfalt fördern.

Neugierigmachen: Man stellt die "unpopuläre" Musik in einen funktionalen Zusammenhang, der für die Schüler bedeutsam ist und dazu führt, dass sie sich der Musik mit Interesse zuwenden. Ein Beispiel für diese Strategie ist das "Nachkomponieren": Die Schüler vollziehen die Entstehung eines "unpopulären" Musikstücks nach, indem sie ein eigenes Stück komponieren und dabei die gleichen Regeln beachten, denen der "unpopuläre" Komponist gefolgt ist (geeignet sind kurze Ausschnitte und enge Vorgaben). Die eigene Auseinandersetzung mit der Aufgabenstellung, die sich der Komponist des Originals gestellt hat, macht meist neugierig auf dessen Lösung.

2. Orientierung als Entscheidungshilfe (OEn): Wenn die Schüler in die Lage versetzt werden sollen, sich für oder gegen eine musikalische Tätigkeit zu entscheiden, müssen sie einen möglichst realistischen Eindruck davon erhalten, wie es ist, diese Tätigkeit auszuüben. Daher sind in dieser Unterrichtssituation zwei methodische Prinzipien besonders wichtig:

Aufprobieren: Man lässt die Schüler probeweise handeln. Man kann sie z. B. Instrumente ausprobieren lassen, um ihnen die Entscheidung für oder gegen Instrumentalunterricht zu erleichtern, oder man besucht mit ihnen ein Konzert, damit sie die Tätigkeit des Konzertbesuchers kennen lernen.

Realbegegnung: Man lässt die Schüler handelnde Personen beobachten. Man kann z. B. mit ihnen einen Instrumentenbauer in seiner Werkstatt besuchen oder einen Komponisten in den Unterricht einladen und über seine Tätigkeit erzählen lassen.

3. Kompetenzerwerb im Wahlkurs (KW): Wenn die Schüler dabei unterstützt werden sollen, sich selbst gewählte Tätigkeiten anzueignen, müssen sie vor allem lernen, selbstständig zu handeln. Dabei hilft das methodische Vorgehen des handlungsorientierten Unterrichts:

Selbsttätigkeit: Man lässt die Schüler die Handlungen, die sie erlernen sollen, so selbstständig wie möglich ausführen. Im Chor zu singen lernt man durch Chorsingen, auf der Gitarre zu spielen durch Gitarrespielen, und Konzerte zu veranstalten, indem man Konzerte veranstaltet.

Projektarbeit: Man setzt sich ein für alle Beteiligten bedeutsames Handlungsziel und verwirklicht es arbeitsteilig. Zum Beispiel bereitet man einen Big-Band-Auftritt vor, erarbeitet ein eigenes Musical oder produziert ein eigenes Musik-Video.

4. Kompetenzerwerb im Pflichtunterricht (KP): Wenn Schüler die "Zeitfenster-Kompetenzen" Singen und Rhythmus erwerben sollen, ohne dass sie die Möglichkeit hatten, sich dafür oder dagegen zu entscheiden, sind die folgenden Methoden hilfreich:

Sppielen: Da nicht unbedingt vorausgesetzt werden kann, dass die Schüler die für Stimmbildungs- und Rhythmusübungen notwendige Einsicht und Motivation mitbringen, müssen ihnen die Unterrichtsinhalte in spielerischer Form präsentiert werden. Besser als nüchternes Stimmtraining sind z. B. Stimmbildungsgeschichten, bei denen die notwendigen Stimmaktionen in eine lustige Erzählung verpackt sind

Natürliche Differenzierung: Da man es im Pflichtunterricht immer mit heterogenen Lerngruppen zu tun hat, sind Lehrgänge, bei denen alle Schüler im Gleichschritt lernen sollen, ungeeignet. Andererseits ist eine systematische Individualisierung im Fach Musik meist nicht zu leisten. Die Lösung besteht darin, den Schülern komplexe Unterrichtsgegenstände anzubieten, die unterschiedliche Aktivitäten ermöglichen, denen sich die Schüler möglichst selbstständig zuordnen. Wenn man die Schüler z. B. eigene Rhythmuspatterns für ein gemeinsames Body-Percussion-Arrangement erfinden lässt, kann jeder diese Aufgabe auf seinem Fähigkeitsniveau lösen.

methoden

Mehr zu Unterrichtsmethoden: Jünger 2008 .


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Evaluation

Eine Auswertung der von der Schule unterstützten musikalischen Bildungsprozesse kann zwei Funktionen haben: Sie kann einerseits Lehrer darüber informieren, wie erfolgreich deren musikalischen Bildungsangebote sind, und kann auf diese Weise zu deren Verbesserung beitragen. Andererseits kann sie Schüler darüber informieren, wie erfolgreich deren musikalischen Bildungsbemühungen sind, und kann auf diese Weise zu deren Intensivierung beitragen.

Erfolgreich sind Bildungsangebote und Bildungsbemühungen, wenn man von den Schülern sagen kann:

  • Sie sind mehr als zuvor bereit, sich mit musikalischen Tätigkeiten auseinanderzusetzen, die ihnen nicht oder wenig bekannt sind, und sie können besser als zuvor die Vielfalt musikalischer Tätigkeiten genießen.
  • Sie haben neue Erfahrungen mit musikalischen Tätigkeiten gemacht, die für sie in Frage kommen, und sie verfügen über einen besseren Überblick als zuvor über die ihnen offen stehenden Möglichkeiten.
  • Sie haben neue Erfahrungen mit musikalischen Tätigkeiten gemacht, die für sie nicht in Frage kommen, und sie verfügen über einen breiteren Erfahrungshintergrund als zuvor.
  • Sie haben neue Entscheidungen für oder gegen die Aneignung musikalischer Tätigkeiten getroffen, und sie können diese Entscheidungen besser als zuvor begründen.
  • Sie haben neue Fähigkeiten für die selbst gewählten musikalischen Tätigkeiten erworben, und sie beherrschen diese Fähigkeiten besser als zuvor.
  • Sie üben mehr selbst gewählte musikalische Tätigkeiten aus als zuvor, und sie üben sie kompetenter aus als zuvor.

Diese sechs Kriterien sind auch zu berücksichtigen, wenn die von einem Schüler im Fach Musik erbrachten Leistungen vom Lehrer bewertet werden sollen. Wie diese Kriterien gewichtet werden, hängt davon ab, auf welches konkrete Bildungsangebot (Unterricht, Kurs, Ensemble usw.) sich die Bewertung bezieht. Ob man sich dabei an einer Sach-, einer Sozial- oder einer Individualnorm orientiert, hängt von der pädagogischen oder gesellschaftlichen Funktion der Bewertung ab.

Wegen der Vielfalt und Komplexität der bei einer Bewertung zu berücksichtigenden Kriterien, insbesondere wegen Unterschiedlichkeit der von den Schülern einer Lerngruppe getroffenen Wahlentscheidungen, ist ein verbales Gutachten aussagekräftiger als eine Ziffernzensur. Noch angemessener sind Bewertungsformen wie Portfolio, Lerntagebuch usw.