URL: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/bildung_und_beruf/bildung/?cnt=246410


Brückenköpfe

Uni-Dependancen im Ausland

Von Karl-Heinz Heinemann


Deutsche Hochschulen sollen auf dem internationalen Bildungsmarkt als starke Exporteure auftreten. Das Bundesbildungsministerium finanziert deshalb ein Förderprogramm "Export deutscher Studienangebote" mit 10 Millionen Euro. Mit Hilfe solcher Brückenkopf-Gründungen sollen deutsche Studienangebote einen Platz auf dem globalen Bildungsmarkt erobern und qualifizierte Doktoranden aus Entwicklungsländern nach Deutschland gelockt werden. Träger des Programms ist der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), der kürzlich auf einer Tagung eine Zwischenbilanz zog - zusammen mit den 29 Hochschulen und weiteren Interessenten, die auf dem Bildungsmarkt mitspielen wollen.

Vorzeigeprojekt des DAAD-Programms ist die "German University of Cairo", die Anfang Oktober mit 1000 Studienanfängern aus dem Mittleren Osten an den Start gehen wird. Bundeskanzler Gerhard Schröder will sich diesen Termin nicht nehmen lassen.

In fünf Jahren sollen in Kairo 5000 Studierende vor allem natur- und ingenieurwissenschaftliche Fächer belegen können. Die Studienangebote wurden in Zusammenarbeit mit der Industrie auf der Grundlage einer Marktanalyse entworfen. Demnach sind etwa Betriebswirtschaft oder internationales Recht schon "besetzt": Den Markt dominiert die längst in Kairo ansässige American University.

Die Universitäten Ulm und Stuttgart unterstützen den Aufbau der Studiengänge und helfen bei der Suche von Professoren. Etwa die Hälfte der Lehrenden soll aus Deutschland kommen. Unterrichtssprache ist Englisch - mit deutschsprachigen Studien hätte man auf dem internationalen Studienmarkt keine Chance.

Wie die anderen 28 vom Bundesbildungsministerium geförderten Projekte auch ist die Kairoer Universität privatwirtschaftlich organisiert, das Ministerium leistet lediglich die Anschubfinanzierung. Eigentümer sind ägyptische Finanziers. Auf Dauer muss sich die Uni selbst tragen. Die Studiengebühren fangen bei 15 000 ägyptischen Pfund pro Semester an, das sind etwa 2000 Euro, und können bis 26 000 Pfund steigen.

In den nächsten 20 Jahren werde sich die Nachfrage nach ausländischen Studienangeboten vervierfachen, mutmaßt DAAD-Generalsekretär Christian Bode. Deshalb sei es höchste Zeit, mit deutschen Angeboten den marktbeherrschenden Australiern, Briten und Amerikanern Paroli zu bieten. Vor allem auf die Entwicklung des asiatischen Studienmarktes werde man ein Auge haben, betont Bode.

Die RWTH Aachen hat eine Filiale in Bangkok gegründet, die TU München wird in Singapur aktiv. Auf die Dauer, so erwartet Projektleiter Christian Thimme vom DAAD, werden die Hochschulen damit durchaus Geld verdienen können.

Nur hinter vorgehaltener Hand wird darüber spekuliert, welche Impulse von den Ausgründungen für die deutschen Hochschulen ausgehen könnten: Die enge Abstimmung der Studiengänge auf den Markt, das Kostendeckungsprinzip, sprich: Studiengebühren, die Auswahl der Studierenden - da kann man "off-shore" etwas ausprobieren, woran deutsche Hochschulleitungen hier zu Lande noch gesetzlich gehindert werden.

DAAD-Vizegeneralsekretär Ulrich Grothus unterstrich auf der Tagung, dass man nicht auf eine weitere Liberalisierung des Bildungshandels durch das GATS (General Agreement on Trade in Services) angewiesen sei. Auch die amerikanischen Hochschulen würden aus gutem Grund vor einer Öffnung des eigenen Marktes warnen, obwohl sie im Ausland recht aktiv sind.


[ document info ]
Copyright © Frankfurter Rundschau 2003
Dokument erstellt am 08.07.2003 um 13:29:32 Uhr
Erscheinungsdatum 09.07.2003