Deutsche Hochschulen sollen auf dem internationalen
Bildungsmarkt als starke Exporteure auftreten. Das Bundesbildungsministerium
finanziert deshalb ein Förderprogramm "Export deutscher Studienangebote" mit 10
Millionen Euro. Mit Hilfe solcher Brückenkopf-Gründungen sollen deutsche
Studienangebote einen Platz auf dem globalen Bildungsmarkt erobern und
qualifizierte Doktoranden aus Entwicklungsländern nach Deutschland gelockt
werden. Träger des Programms ist der Deutsche Akademische Austauschdienst
(DAAD), der kürzlich auf einer Tagung eine Zwischenbilanz zog - zusammen mit den
29 Hochschulen und weiteren Interessenten, die auf dem Bildungsmarkt mitspielen
wollen.
Vorzeigeprojekt des DAAD-Programms ist die "German University of
Cairo", die Anfang Oktober mit 1000 Studienanfängern aus dem Mittleren Osten an
den Start gehen wird. Bundeskanzler Gerhard Schröder will sich diesen Termin
nicht nehmen lassen.
In fünf Jahren sollen in Kairo 5000 Studierende vor
allem natur- und ingenieurwissenschaftliche Fächer belegen können. Die
Studienangebote wurden in Zusammenarbeit mit der Industrie auf der Grundlage
einer Marktanalyse entworfen. Demnach sind etwa Betriebswirtschaft oder
internationales Recht schon "besetzt": Den Markt dominiert die längst in Kairo
ansässige American University.
Die Universitäten Ulm und Stuttgart
unterstützen den Aufbau der Studiengänge und helfen bei der Suche von
Professoren. Etwa die Hälfte der Lehrenden soll aus Deutschland kommen.
Unterrichtssprache ist Englisch - mit deutschsprachigen Studien hätte man auf
dem internationalen Studienmarkt keine Chance.
Wie die anderen 28 vom
Bundesbildungsministerium geförderten Projekte auch ist die Kairoer Universität
privatwirtschaftlich organisiert, das Ministerium leistet lediglich die
Anschubfinanzierung. Eigentümer sind ägyptische Finanziers. Auf Dauer muss sich
die Uni selbst tragen. Die Studiengebühren fangen bei 15 000 ägyptischen Pfund
pro Semester an, das sind etwa 2000 Euro, und können bis 26 000 Pfund
steigen.
In den nächsten 20 Jahren werde sich die Nachfrage nach
ausländischen Studienangeboten vervierfachen, mutmaßt DAAD-Generalsekretär
Christian Bode. Deshalb sei es höchste Zeit, mit deutschen Angeboten den
marktbeherrschenden Australiern, Briten und Amerikanern Paroli zu bieten. Vor
allem auf die Entwicklung des asiatischen Studienmarktes werde man ein Auge
haben, betont Bode.
Die RWTH Aachen hat eine Filiale in Bangkok
gegründet, die TU München wird in Singapur aktiv. Auf die Dauer, so erwartet
Projektleiter Christian Thimme vom DAAD, werden die Hochschulen damit durchaus
Geld verdienen können.
Nur hinter vorgehaltener Hand wird darüber
spekuliert, welche Impulse von den Ausgründungen für die deutschen Hochschulen
ausgehen könnten: Die enge Abstimmung der Studiengänge auf den Markt, das
Kostendeckungsprinzip, sprich: Studiengebühren, die Auswahl der Studierenden -
da kann man "off-shore" etwas ausprobieren, woran deutsche Hochschulleitungen
hier zu Lande noch gesetzlich gehindert werden.
DAAD-Vizegeneralsekretär
Ulrich Grothus unterstrich auf der Tagung, dass man nicht auf eine weitere
Liberalisierung des Bildungshandels durch das GATS (General Agreement on Trade
in Services) angewiesen sei. Auch die amerikanischen Hochschulen würden aus
gutem Grund vor einer Öffnung des eigenen Marktes warnen, obwohl sie im Ausland
recht aktiv sind.