Hans Wocken
Die soziometrische Methode
Zur Diagnose der sozialen Beziehungen in Integrationsklassen wurde ein bekanntes Verfahren der empirischen Sozialforschung verwendet, die soziometrische Methode. Die Anfänge der Soziometrie reichen bis zur Jahrhundertwende zurück. Entscheidenden Anteil an der Entwicklung und Verbreitung soziometrischer Techniken hat MORENO, dessen Standardwerk "Who shall survive?" (1934, deutsch 1964) den Beginn der modernen Soziometrie markiert.
Gegenstand der Soziometrie ist die Analyse der Struktur und Dynamik von Gruppen. Bei MORENO (1965, 34) heißt es: "Der soziometrische Test ist eine Methode zur Erforschung sozialer Strukturen durch Messen der Anziehungen und Abstoßungen, die zwischen den Angehörigen einer Gruppe bestehen." Eine umfassende und gründliche Übersicht zur soziometrischen Methode hat DOLLASE (1976) vorgelegt. Das eigene Vorgehen ist an den Arbeiten von PETILLON (1978, 198Oa; 1980b) orientiert.
| Soziometrische Methoden | |||
| Beobachtungsmethoden | Befragungsmethoden | ||
| Interaktionsanalysen | Aktionstests | Wahlverfahren | Beurteilungsverfahren |
Abbildung 1: Systematik soziometrischer Methoden
Soziometrische Informationen können durch die methodischen Grundformen der Beobachtung und der Befragung erhoben werden. Beide Erhebungsverfahren lassen sich weiter untergliedern.
Zu den Beobachtungsverfahren zählen die Interaktionsanalyse (MERKENS & SEILER 1978) und sogenannte Aktionstests. Bei den interaktionsanalytischen Verfahren werden spontane Interaktionsprozesse einer systematischen Verhaltensbeobachtung unterworfen: "Wer macht was mit wem und wie oft?" Beispiele für Interaktionsanalysen wären etwa das Auszählen von Körper- und Blickkontakten, die Registrierung spontaner Spielgruppen auf dem Pausenhof oder die Feststellung häufiger Streitpartner.
Bei Aktionstesten werden die Gruppenmitglieder ausdrücklich aufgefordert, ihre interpersonellen Beziehungen in Handlungen, Spielen und Gesprächen darzustellen. Die interpersonellen Beziehungen werden dann durch die Beobachtung des realen Verhaltens in den arrangierten Situationen erschlossen. Ein Beispiel ist das bekannte Kreisspiel: "Ich sitze im Grünen und liebe . . . !"
Die Befragungsformen lassen sich in Wahlverfahren und Beurteilungsverfahren unterscheiden. Bei soziometrischen Wahlverfahren werden die Probanden aufgefordert, nach einem vorgegebenen Kriterium (Sitznachbar, Sympathie, u. a.) Personen aus der Gruppe auszuwählen.
Bei den Beurteilungsverfahren sollen die Probanden zu den anderen Gruppenmitgliedern bewertend Stellung nehmen. Beispiele für Beurteilungsverfahren sind soziale Distanzskalen, Ratingskalen, semantische Differentiale, guess-who-Tests, Rangreihenbildung, Paarvergleiche, adjective-check-lists.
Die angeführten soziometrischen Erhebungsmethoden sind mit je spezifischen Vorzügen und Nachteilen behaftet (DOLLASE 1976). Als besonderer Vorzug aller Beobachtungsverfahren gilt die lebensnahe Erfassung der tatsächlichen Sozialbeziehungen, als nachteilig ist der beträchtliche zeitliche Aufwand zu werten. Ferner ist nicht selten die psychische Realität, also die subjektive Wahrnehmung von sozialen Beziehungen durch die Gruppenmitglieder, von größerem Interesse als die objektive Beschreibung tatsächlicher Interaktionsprozesse.
Auch bei dem Vergleich von Wahl- und Beurteilungsverfahren ist eine differenzierte Wertschätzung angezeigt. Nach derzeitigem Kenntnisstand liefern Beurteilungsverfahren genauere und stabilere Meßwerte; sie sind aber sehr zeitaufwendig und mit hohen Belastungen für die Probanden verbunden. Alle Gruppenmitglieder auf abgestuften Beurteilungsskalen einzuschätzen, ist eine psychische Anforderung, die insbesondere Grundschulkindern nicht zugemutet werden kann.
"Das Wahlverfahren hat den Vorteil, dass es versuchspersonenfreundlich ist, insofern es weniger Aufwand macht, einige Personen zu nennen als sich bei jeder Person eine Beurteilung auf einer gestuften Skala abzuringen" (DOLLASE, 1976, 91). Das Wahlverfahren liefert immer dann hinreichend zeitstabile Meßwerte, wenn keine Begrenzung der Namensnennungen vorgenommen wird. DOLLASE (1976, 91) kommt nach einem kritischen Vergleich von Wahl- und Beurteilungsverfahren zu der Empfehlung, "das unbegrenzte Wahlverfahren als das bevorzugte Erhebungsverfahren der Soziometrie zu verwenden-"
2.2 Das soziometrische Wahlverfahren
2.2-1 Wahlkriterium
Von erheblicher Bedeutung bei soziometrischen Wahlverfahren ist das Wahlkriterium. Es macht einen Unterschied, ob Schüler nach dem bevorzugten Klassensprecher, nach dem besten Freund oder nach dem gewünschten Sitznachbarn gefragt werden. Das beste Wahlkriterium schlechthin gibt es nicht. Durch die Änderung des Wahlkriteriums werden jeweils spezifische Aspekte des Gruppenlebens angesprochen. Die Einfluß- und Machtstruktur von Gruppen wird sichtbar, wenn nach Führungsrollen in der Gruppe (Vertrauensschüler, Klassensprecher, Spielführer) gefragt wird. Die Rollenstruktur von Gruppen kommt zum Vorschein, wenn die subjektiven Präferenzen für ganz bestimmte, inhaltlich definierte Tätigkeitsbeziehungen erfragt werden. Je spezifischer die Tätigkeiten sind, desto eher werden die Wahlen nach dem Kriterium der aufgabenbezogenen Tüchtigkeit vorgenommen. Bei der Wahl von Arbeitspartnern oder von Mannschaftskameraden für sportliche Wettkämpfe treten gefühlsmäßige Empfindungen der Zuneigung oder Abneigung in den Hintergrund, sie werden von instrumentellen Überlegungen überlagert. "Instrumentelle Wahlen werden gemacht, um bestimmte Ziele durch die Verbindung mit der jeweiligen Person zu erreichen" (DOLLASE 1976, 62). Die Sympathiestruktur von Gruppen wird ermittelt durch die Frage, welche anderen Gruppenmitglieder der Befragte mag oder nicht mag.
Gruppen sind keine bloße Ansammlung von Personen, Schulklassen nicht einfach ein Raum voller Kinder. Ein bloßes räumliches Beieinander von Menschen, ohne dass sie dabei irgendetwas empfinden, ist nicht vorstellbar. In Abwandlung eines kommunikationstheoretischen Grundsatzes (WATZLAWIK, BEAVIN & JACKSON 1974) könnte man sagen: Man kann nicht nichts fühlen. Indem Menschen sich wahrnehmen, empfinden sie auch etwas dabei. Durch häufige Kontakte lernen die Gruppenmitglieder sich kennen und entwickeln Gefühle füreinander. Mit der Zunahme der Interaktionen entwickelt sich aus dem beziehungslosen Nebeneinander ein emotionales Kräftefeld. Aus dem anfänglichen Stadium der affektiven Neutralität erwachsen im Prozeß der Gruppenbildung zwischen allen Gruppenangehörigen durch fortdauernde Kontakte emotionale Beziehungen, die sich mehr und mehr verfestigen. Die Qualität der emotionalen Beziehungen ist dabei als ein Kontinuum vorstellbar, das von Zuneigung bis Abneigung reicht und "die Hauptformen zwischenmenschlicher Gefühle, nämlich Beliebtheit, Gleichgültigkeit und Ablehnung" (MANN 1976, 54) umfaßt. In allen Gruppen begegnen sich die Mitglieder in unterschiedlichem Ausmaß mit Sympathie, Gleichgültigkeit und Antipathie. Diese einzigartige Konstellation der emotionalen Beziehungsverflechtungen einer Gruppe bildet eine Struktur, ein mehr oder weniger stabiles, wechselseitig verknüpftes Gefüge interpersoneller Gefühle.
Die soziometrische Methode ist ein Verfahren, mit dessen Hilfe man diese "Affektstruktur der Gruppe" (SECORD & BACKMANN 1980, 291) offenlegen und beschreiben kann. BJERSTEDT (1956) definiert: "'Soziometrie' ist die quantitative Untersuchung zwischenmenschlicher Beziehungen unter dem Aspekt der Bevorzugung, der Gleichgültigkeit und der Ablehnung in einer Wahlsituation."
Häufig wird die Forderung vorgetragen, bei soziometrischen Erhebungen nur solche Fragen zu stellen, die für die Schüler tatsächlich relevant sind. "Die wesentlichste Fehlerquelle soziometrischer Untersuchungen ist die Frage, das Kriterium; je deutlicher erkennbar ist, dass für die Befragten mit den Wahlen auch Handlungskonsequenzen verbunden sind, je mehr sie also eine Umsetzung der Ergebnisse in die Praxis vermuten können, desto größer ist die Reliabilität und Stabilität der Ergebnisse" (FRIEDRICHS 1979, 268). Unverbindliche Fragen wie "Wen hast du in der Klasse gern?" führen dieser Auffassung zufolge dazu, dass die Wahlen nicht mehr ernst genommen und rein beliebige oder sozial erwünschte Antworten gegeben werden. Um der Forderung nach einer verbindlichen Wahlfrage Genüge zu tun, wird bei soziometrischen Erhebungen in Schulklassen vielfach das Wahlkriterium Sitznachbar bevorzugt. "Die Frage: 'Neben wem würdest du am liebsten sitzen?' hat in der Klasse Realitätscharakter. Allerdings muß der Lehrer dann auch die Sitzordnung den Wahlen anpassen" (INGENKAMP 1985, 211).
Die eigenen soziometrischen Erhebungen in den Hamburger Integrationsklassen folgen der angeführten Argumentation nicht. Die verwendete Wahlfrage lautete: "Welche Kinder aus deiner Klasse magst du sehr gerne?" Folgende Überlegungen waren für diese methodische Entscheidung maßgeblich:
1. Die Wahl von Sitznachbarn wird nicht nur von Gefühlen, sondern auch von rationalen Überlegungen geleitet, "ob man von der schulischen Leistung des anderen profitieren könnte. Diese Wahlfrage mißt also vermutlich - in nicht zu entwirrender Weise - auf den beiden Dimensionen der Sympathie-Antipathie und der Leistungsfähigkeit"(MAYNTZ, HOLM & HÜBNER 1978, 123).
2. Feste Sitzordnungen sind in Grundschulklassen längst nicht mehr selbstverständlich, zumal dann nicht, wenn ein binnendifferenzierter Unterricht praktiziert wird. Der behauptete Realitätscharakter ist an traditionellen Vorstellungen über den Unterricht in Grundschulen orientiert.
3. Die wichtigste Begründung ergibt sich aus entwicklungspsychologischen Überlegungen. Bei Grundschulkindern bilden Gedanken und Gefühle, Verhalten und Erleben eine noch weitgehend ungeschiedene Einheit. Grundschulkinder sprechen offen und unbekümmert aus, was sie empfinden. Sie verhaften sich kongruent, in Übereinstimmung mit ihren Gefühlen. Sie können ihre Gefühle weniger gut verheimlichen, hinter einer Maske verbergen oder verfälschen. Es ist daher unbegründet, den Gefühlen von Schulanfängern "Realitätscharakter" abzusprechen und "Unverbindlichkeit" nachzusagen. Bei Grundschulkindern dürfte die direkte Erfragung persönlicher Zuneigungen und Abneigungen die Sympathiestruktur von Gruppen unverfälscht zum Ausdruck bringen.
Ein empirisches Indiz für die größere Kongruenz des Erlebens und Verhaltens bei Grundschulkindern bringt ausgerechnet ein Befürworter der Sitznachbarn-Kriterium bei. PETILLON ermittelte bei 884 Schülern die Korrelationen zwischen dem Wahlkriterium Sitznachbar und der Frage: "Mit wem kommst du gut aus?" Die soziometrischen Kriterien Sitznachbar und Sympathie korrelierten sehr stark miteinander. Auffällig dabei war, dass die Korrelationen mit zunehmendem Alter vorn 3. bis zum 7. Schuljahr zunehmend geringer wurden. PETILLON (1980, 34) kommentiert das Ergebnis so: "Dies dürfte u. E. auf die Tatsache zurückgeführt werden, dass ältere Schüler stärker zwischen Situation und Interaktionspartner differenzieren." Damit dürfte die Sympathiefrage hinreichend als geeignetes Wahlkriterium legitimiert sein.
2.2.2 Begrenzung der Wahlen
In der soziometrischen Literatur wird übereinstimmend empfohlen, die Anzahl der Wahlen, die ein Schüler abgeben kann, nicht zu begrenzen. Folgende Gründe werden genannt-.
1. "Das sozial-expansive Individuum wird durch die Wahlbegrenzung zu einer willkürlichen Auswahl gezwungen, während das sozial-restrikte Individuum zu einer willkürlichen zusätzlichen Benennung von anderen Personen gezwungen wird" (DOLLASE 1976, 42).
2. Das unbegrenzte Wahlverfahren liefert zusätzliche Informationen über die Wahl- und Ablehnungsbereitschaft von Personen.
3. Das unlimitierte Wahlverfahren zeichnet sich durch eine höhere Stabilität der Meßwerte aus.
2.2.3 Negative Wahlfragen
Die eigenen soziometrischen Untersuchungen verwenden auch die negative Wahlfrage. Sie lautete: "Welche Kinder aus deiner Klasse magst du nicht so gerne?" Die Erfragung negativer Wahlen löst bei Pädagogen vielfach Unbehagen aus und ist nicht zuletzt auch bei den Eltern auf Kritik gestoßen. Durch die negative Wahlfrage würden den Kindern verborgene, schlummernde Aversionen allererst bewusst gemacht, die Kinder zur Intoleranz und Aggression ermutigt. Die Ablehnungsfrage gefährde ferner den sozialen Frieden eines unbefangenen Zusammenlebens.
Antipathien sind ein Bestandteil der sozialen Realität. "Es wäre ein verhängnisvolles Verkennen der Realität, wenn der für die Gruppe Verantwortliche die Existenz negativer Gefühle einfach negieren und so tun würde, als ob nicht sein kann, was nicht sein darf" (HÖHN & SEIDEL 1976, 18). Durch negative Nennungen wird die Diagnose von Gruppen um wesentliche Informationen bereichert. Erst Negativwahlen ermöglichen die Aufdeckung von Gruppenspannungen und eine sichere Identifikation von Abgelehnten und Außenseitern. Negative Wahlen tragen schließlich auch zu einer instrumentell verläßlicheren Diagnose bei. "interne Konsistenz und Stabilität der negativen Wahlen sind erheblich größer als die der positiven Wahlen" (DOLLASE 1976, 95).
Um ungünstige Folgewirkungen bei der Erhebung negativer Wahlen zu verhindern, muß den Kindern unbedingte Vertraulichkeit der Informationen zugesichert und abverlangt werden. In den eigenen Untersuchungen wurden die Kinder abschließend gebeten, das Gespräch als "Geheimnis" zu betrachten und nichts weiterzuerzählen.
2.2.4 Gütekriterien
Die Durchführungs- und Auswertungsobjektivität soziometrischer Erhebungen wird im allgemeinen als gegeben angesehen. Sie wurde in unserer Untersuchung durch Interviewerschulung sichergestellt.
Gültigkeit und Zuverlässigkeit soziometrischer Erhebungen werden dagegen oft angezweifelt. Eine gründliche Erörterung der Gütekritierien findet man bei DOLLASE (1976).
Die Zuverlässigkeit einer soziometrischen Erhebung wird immer wieder in Frage gestellt. Eltern und Lehrer erleben die positiven und negativen Gefühle der Kinder als instabil: "Kinder streiten sich heute und vertragen sich morgen wieder." Aufgrund dieser Alltagserfahrung messen sie auch soziometrischen Befunden eine geringe Zuverlässigkeit bei. Soziometrische Untersuchungen werden mit einer Momentaufnahme verglichen, die allenfalls eine Augenblickssituation gültig abbildet, deren zeitliche Geltung aber kaum über den Tag hinausdauert.
Die Alltagserfahrung der Eltern und Lehrer steht nicht im Einklang mit den Ergebnissen der empirischen Forschung. Dem Forschungsstand zufolge hängt die Übereinstimmung zwischen zwei soziometrischen Befragungen wesentlich von der Relevanz des Wahlkriteriums und von dem Alter der Probanden ab. PETILLON (1980a) ermittelte für ein Zeitintervall von 3 Wochen Reliabilitätskoeffizienten, die von 0.81 im 3. Schuljahr kontinuierlich bis zu 0.92 im 7. Schuljahr ansteigen. Die Werte für den Wahl- und Ablehnungsstatus im anderen Geschlecht sind dabei durchweg weniger reliabel - ein überaus wichtiger Hinweis, der dazu auffordert, den Statuswerten für das eigene Geschlecht eine größere diagnostische Präzision beizumessen.
Die Stabilität soziometrischer Kennwerte soll noch durch einen weiteren Untersuchungsbefund belegt werden. Bei einem Wechsel von Klasse 4 der Grundschule in einen neuen Klassenverband der Sekundarstufe behielten etwa 70 Prozent aller Schüler den gleichen sozialen Status (PETILLON 1981). Soziometrische Einstufungen reichen also weit über die Kurzlebigkeit eines sozialen Schnappschusses hinaus und sind eher "bestürzend stabil" (INGENKAMP 1985, 219).
Die Stabilität von Messungen darf nicht mit völliger Unveränderlichkeit verwechselt werden. Allem Sozialen ist grundsätzlich eine gewisse Flüchtigkeit eigen, wie man es sich am Beispiel einer Bundestagswahl klarmachen kann. Nach einer Woche, einem Monat oder nach einem Jahr wird mancher Wähler eine andere Partei als am Tage der Bundestagswahl bevorzugen. Ungeachtet eines stetigen Stimmungs- und Meinungswechsels bei den Wählern bleiben jedoch die grundsätzlichen Strukturen in der politischen Willensbildung relativ stabil. Erdrutschartige Veränderungen der politischen Landschaft sind eher selten.
Aus pädagogischen Gründen scheint es überdies nicht wünschenswert, eine höhere Stabilität soziometrischer Erhebungen zu fordern. Hohe Stabilitätskoeffizienten implizieren geringe Chancen, den sozialen Status von Schülern zu beeinflussen. Je höher die Stabilität soziometrischer Meßwerte, desto geringer der Spielraum für pädagogische Einflußnahmen.
Ähnliche Ergebnisse liegen für das Gütemerkmal Validität vor. Die Gültigkeit soziometrischer Befunde ist immer dann und auch nur solange gegeben, wie bei der Interpretation der Daten das verwendete Wahlkriterium beachtet wird und darüber hinausgehende Schlußfolgerungen vermieden werden. Sympathiestrukturen sind etwas anderes als Macht-, Erwartungs- oder Kommunikationsstrukturen.
Die Validität soziometrischer Diagnosen wird auch durch Untersuchungen bestätigt, die PETILLON (1980a) im Zusammenhang mit der Standardisierung des soziometrischen Tests ST3-7 durchführte. Die Korrelationen der soziometrischen Statuswerte mit der Fremdeinschätzung der Beliebtheit durch Mitschüler und Lehrer liegen allesamt in einer Größenordnung, die eine brauchbare Gültigkeit verbürgen. Da die soziometrischen Ergebnisse schließlich auch mit einem Aktionstest befriedigend korrelieren, können sie "als gute Prädiktoren des Verhaltens der Personen in anderen Situationen" (FRIEDRICHS 1979, 269) verwendet werden.
Auszug aus: Hans Wocken: Soziale Integration behinderter Kinder. In: Wocken, H. /Antor, G. (Hrsg.) Integrationsklassen in Hamburg. Solms-Oberbiel 1987, 203-275